tCSD 2006

Transgenialer CSD 2006

Der einzig wahre, der einzig echte Christopher Street Day – wir laden Dich ein zum:

TRANSGENIALER CSD 2006

24.06.2006
14:00 Uhr
Frankfurter Tor

ARMUT, PRIVATISIERUNG, HOMOPHOBIE, SEXISMUS und RASSISMUS sind keine PRIVATSACHEN! In der Tradition des Aufstandes und der militanten Gegenwehr von vor allem migrantischen Schwulen, Lesben und Transgendern in den USA am 27. Juni 1969 in der Christopher Street wird auch dieses Jahr wieder ein Transgenialer CSD stattfinden. Es wird der einzige in Berlin sein, der sich historisch verortet! Der Commercial Street Day vom Ku’Damm ist wegen der WM verlegt worden.
Wir verstehen uns bewusst als Kontrapunkt zur WM, grölenden Männerhorden und Nationalismus. Wir starten mit dem CSD dieses Jahr erstmals im Osten – in Friedrichshain (hurra!). Wir rufen Euch auf: demonstriert und feiert, drückt Euren Ärger über die gesellschaftlichen Zustände aus, kommt im Fummel, in Drag oder wie es Euch Spaß macht, bringt Schilder und Transparente mit. Kreativität und Lebendigkeit statt Kommerz und Verblödung.
Für einen warmen und offensiven CSD inmitten einer Gesellschaft, die immer mehr auf Ellenbogen setzt! Denn ARMUT ist keine Privatsache. Sie wird gesellschaftlich erzeugt, ist ausgrenzend – wir werden die Vereinzelungen mit offenen Mikrophonen durchbrechen- Wenn Dein Freund im Abschiebeknast sitzt, ist dies ebenso wenig Privatsache wie rassistische und faschistische Schläger. RASSISMUS ist eine gesellschaftliche Struktur wie der SEXISMUS, mit dem wir während der WM zugeschüttet werden und durch den die Straßenviertel, Stadtteile, Städte zu No-Go-Areas werden für Menschen unterschiedlicher Hautfarben, Lebensweisen oder körperlicher Eigenschaften. Und auch keine Privatsache ist das Mammut-Projekt „SPREEMEDIA“, durch welches im Westen Kreuzbergs die Vermarktung ganzer Straßenzüge und die Vetreibung von ärmeren Bewohner*Innen auf den Weg gebracht wird. Kommt zahlreich.

In Wut und Liebe

Redebeiträge des Transgenialen CSD 2006

Wir dokumentieren hier die Redebeiträge des Transgenialen CSD 2006; für
die Inhalte sind die jeweils Vortragenden verantwortlich. Jegliche Haftung,
insbesondere für eventuelle Schäden oder Konsequenzen, die durch die
Nutzung der angebotenen Informationen entstehen, ist ausgeschlossen.

Lidl | Stadtumstrukturierung | Wigstöckel | anarchistische Föderation | Antifa Friedrichshain | schwule Lehrer | Transgender Netzwerk Berlin

Redebeitrag der AG Soziales beim Transgenialen CSD:

Warum stehen wir hier vor Lidl?

Wir möchten auf diese einzigartige soziale Begegnungsstätte
hinweisen:

Hier treffen zwei todesmutige Menschengruppen aufeinander, welche auf
die eine oder andere Art mit Armut konfrontiert sind: Auf der einen Seite
stehen KonsumentInnen, welche nicht davor zurückschrecken, schadstoffbelastete
Lebensmittel um des erschwinglichen Preises Willen zu verschlingen. Auf
der anderen Seite Beschäftigte, die scheinbar einiges hinzunehmen
bereit sind, um sich nicht in der Schlange bei der Arbeitsagentur einreihen
zu müssen:

Lidl-Beschäftigte müssen in ihrem Arbeitsalltag eine Vielzahl
von Unannehmlichkeiten ertragen:

Etwas früher zu beginnen, um Regale einzuräumen und etwas länger
zu bleiben, um Putzarbeiten zu verrichten und aufzuräumen, ist für
Lidl-Beschäftigte eine Mindestanforderung. Natürlich unbezahlt.

45 Scannvorgänge pro Minute sollten erreicht werden, was durch Testkäufe
überprüft wird. Dabei aber immer schön freundlich bleiben!
Ach ja- diese hübschen Bänder an den Handgelenken, die SupermarktverkäuferInnen
häufig tragen sind nicht der letzte modische Schrei- sie werden ärztlich
verordnet bei Sehnenscheidenentzündungen.

SupermarktverkäuferInnen stehen natürlich grundsätzlich
unter Verdacht, ihre Arbeitgeber zu bestehlen. Deshalb werden Taschen,
Spinde und Privatautos kontrolliert, MitarbeiterInnen per Video überwacht…

Lidl nutzt diesen Generalverdacht, um auf pfiffige Weise unbequeme oder
zu teuere MitarbeiterInnen los zu werden. Nicht selten sind es unliebsame
MitarbeiterInnen, denen Diebstähle unterstellt werden und –
schwups – zaubert die FilialleiterIn nach Feierabend im Büro einen
bereits vorgefertigten Aufhebungsvertrag aus der Schublade! Vor die Alternative
Strafanzeige oder Aufhebung des Arbeitsvertrages gestellt, knicken die
Meisten natürlich ein. Bei einem solchen Gespräch sind meist
nur die Beschuldigten selbst und mindestens zwei Vorgesetzte anwesend.

VertreterInnen der Gewerkschaft, welche Infomaterial verteilen wollen,
werden von den FilialleiterInnen rausgeworfen, das Infomaterial wird wieder
eingesammelt – Betriebsräte sind bei Lidl nämlich nicht gerne
gesehen: In insgesamt 2600 Filialen gibt es immerhin 8 Betriebsräte!
Ein Schnäppchen für die Konzernleitung! Sollte es dann doch
mal zu einer Betriebsratswahl kommen, wird zur Not die ganze Filiale geschlossen.
So geschehen im Baden-Württembergischen Calw. Oder die InitiatorInnen
einer Betriegsratswahl werden fristlos entlassen, so geschehen in der
Münchner Filiale Berg. Der Mitarbeiterin wurde üble Nachrede
unterstellt.

Die so frei gewordenen Vollzeitstellen werden dann vorzugsweise mit Teilzeit-
und 400-€-Kräften besetzt. Das ist sowieso billiger…

Da wirkt es schon eher wie eine lustige Anekdote, was in Tschechien geschehen
ist:

Toilettengänge während der Arbeitszeit sind ganz einfach verboten.
Aber es gibt Ausnahmen: Weibliche Mitarbeiterinnen, die gerade „ihre
Tage haben“, dürfen auch zwischendurch auf Toilette. Für
dieses Privileg allerdings müssen sie — weithin sichtbar — ein
Stirnband tragen!

Doch nicht nur bei der Ware Arbeitskraft ist Lidl mit Einsparungen ganz
vorne. Da sind Gemüsesorten im Regal, die überdurchschnittlich
hoch mit Pestiziden belastet sind, sodass Umweltschutzgruppen lautstark
vor dem Genuss warnten. Und Milch, die ist ja sooooo günstig bei
Lidl… Lidl zahlt für Milch im Einkauf weniger, als die Produktion
kostet. Die Milchbauern gehen seit Monaten mit öffentlichen Protesten
gegen den Preisverfall und die Marktmacht der Discounter vor.

Doch was können wir, die wir aufgrund unserer miserablen finanziellen
Lage genötigt sind, bei Discountern wie Lidl einzukaufen, denn tun?
Welche geschickt ist, die klaut vielleicht ein wenig, doch so „begabt“
sind schließlich nicht alle. Direkt zum Boykott wurde bis dato noch
nicht aufgerufen, sodass wir das- regional begrenzt schließlich-
tun oder lassen können, noch bringt es nicht viel. Ein paar Zettelchen,
die’s bestimmt bei der Gewerkschaft gibt, ließen sich aber durchaus
im Kassenbereich platzieren. Und natürlich gilt beim Einkauf: In
der Ruhe liegt die Kraft! Was kann die arme Verkäuferin dafür,
wenn wir unser Geld nicht finden?

Nun gut, befriedigend ist das alles nicht. Letztlich geht es darum, die
Misere aller – also jener, die genervt bei Lidl einkaufen und jener, die
unter immensem Druck dort arbeiten- als ein und dieselbe zu begreifen.
Denn freiwillig wird dort weder jemand arbeiten, noch jemand einkaufen!

Armut ist kein Schicksal. Sie ist politisch gewollt. Und sie kann jedeN
treffen. Widerstand ist nötig. Unsere Armut kotzt uns an!

Eure Sozial-AG


Keine Privatisierung - Smash Media-Spree!

Szeneimage ist alles

Bei der hässlichen Stadtumstrukturierung gibt es die „harten“
Fakten wie Privatisierung, Investorengroßprojekte oder Vertreibung durch
Mieterhöhungen und Luxussanierungen. Im Zusammenhang damit gewinnt das
Aufpolieren des Images von Stadtteilen zu trendigen Szenevierteln immer mehr
an Bedeutung. Denn erst das macht einen preiswerten aber etwas schmuddeligen
arme Leute Kiez als Wohnort für einkommensstarke Klientel, wie den Mitarbeitern
der neuen Medienunternehmen am Spreeufer interessant.
Das vom Senat ins Leben gerufene Quartiersmanagrnent etwa vergibt leerstehende
Läden zu subventionierten Billigmieten an „Junge Kreative“ wie
Designer, Galeristen etc.
Die Stadtplanungsstrategie ist, dass diese Jungunternehmen sich im Kiez etablieren
und diesen für im Sinne des Senats „höherwertigen“ Gewerbe-
und Wohnraum attraktiver machen.
Wenn dann noch in entsprechenden Zeitungsartikeln mit reisserischen Überschriften
etwa vom „Neuen Hotspot“ Schlesische Straße, oder von Friedrichshain
„Die neue Mitte“ die Rede ist, läuft die Verdrängungsmaschinerie
wie geschmiert: Langjährig mit dem Kiez verwurzelte Gewerbe verschwinden,
die Mieten steigen, einkommensschwache Menschen haben in einem so „aufgewerteten“
Stadtteil kaum noch eine Chance auf dem Wohnungsmarkt. Diejenigen, die trotzdem
das Glück einer bezahlbaren Bleibe im Kiez haben, fühlen sich angesichts
der Massen der in die neuen hippen Clubs und Bars rennenden Trendsetter mehr
und mehr fremd im eigenen Stadtteil und sind dazu noch Stress, etwa durch vermehrte
Lärmbelastung, ausgesetzt.
Schwierig daran ist, dass bei diesem Spiel die Grenzen zwischen „gut“
und „böse“ nie ganz klar sind. Auch weniger kommerzielle, eher
alternative Veranstaltungsorte tragen zu dieser Entwicklung bei. Und gerade
auch lesbischschwule und queere Kultur, die ja so schön „schrill und
bunt“ ist, wird gerne für Imagekampagnen eingespannt. Wichtiger denn
je ist es daher, klar Position zu beziehen.

++ Smash media spree: Info 1 ++ Gegen die Privatisierung öffentlicher
Räume und Gelder ++

KEIN Disney in Kreuzberg: Anschutz und 02-World

Westlich der Warschauer Brücke baut die „Anschutz Entertainment
group“ die größte Veranstaltungshalle Berlins, mit 17.000 Plätzen,
Logen, 77 Business Suiten, Geschäften, Büros, Kino.. .Ob sich die
Halle selbst tragen wird und ob es Bedarf gibt, ist unklar. Sicher ist jedoch,
dass das gigantische Projekt auf Kosten anderer – bereits gebauter und subventionierter
– Hallen gehen wird. Der Senat übernimmt als „Gegenleistung“
die für die Halle „nötigen Infrastrukturmaßnahmen“:
Die Erschließung des Geländes, wofür auch baudenkmalgeschützte
Gebäude abgerissen wurden, wurde zu 80 % aus öffentlichen Geldern
finanziert. Sie kostete 15,6 Millionen Euro. Jetzt sollen zwei neue Brücken
über die Spree gebaut und die East-Side-Galery versetzt werden, damit die
Halle von der Spree aus einsichtig und direkt erreichbar ist. Die Manteuffelstrasse
wird dann zu Durchfahrtsstrasse gemacht. Auch dies mit öffentlichen Geldern!
150 Millionen kostet der Bau der Halle, O2 zahlte eine dreistellige Millionensumme
dafür, daß die Halle für 15 Jahre den Namen „O2-World“
tragen darf. Noch vor Baubeginn schürt Anschutz Expansionspläne:
Projektleiter Kevin Murphy plant die Erweiterung des Geländes bis ans Spree-Ufer.
Hier soll ein „neues Entertainment-Stadtviertel“ entstehen, das größer
sein soll als die Quartiere von Daimler und Sony am Postdamer Platz, mit Riesenrad
und 10.000enden von Touristen täglich. Wir sagen: Nein Danke!

++ Smash media spree Info 2 ++ Gegen die Privatisierung öffentlicher Raume
und Gelder + +

Das „Berliner Haushaltsloch“ heißt: Universal, Vivendi, MTV
— Steuergeschenke für Konzerne

10 Millionen Euro „Starthilfe“ bekam Universal aus den Etats des
Berliner Senats und des Bundes, um von Hamburg an die Spree umzuziehen. Weitere
8 Millionen wurden dem Universal-„Mutterkonzern“ „Vivendi“
erlassen. Vivendi – Wasserkonzern und einer der treibenden Akteure der globalen
Wasserprivatisierung – kaufte 1999 die Berliner Wasserbetriebe. Damals machte
Vivendi verschiedene Zusagen, wie Preisstabilität und Arbeitsplatzerhalt.
Diese wurden nicht eingehalten. Großzügig machte der Berliner Senat
das Angebot, eine Strafzahlung von 8 Millionen Euro zu erlassen, wenn Universal
dafür an die Spree umziehe. Doch das sind noch nicht alle Steuergeschenke.
Vivendi streicht auch die Gewinne aus den ständig steigenden Wasserpreisen
und zusätzliche 50 Millionen Euro jährlich aus der Senatskasse ein,
da der Senat auf seine Konzessionsabgabe verzichtet. Auch MTV freute sich 2003
über ein großzügiges Senats-Geschenk: Es gab eine Investitionshilfe
für den Umbau der Behala Hallen in ungenannter Höhe. MTV-Pressesprecherin
Adami kommentierte dies 2003 so: die Berliner Millionen haben den Umzug nach
Berlin schon erleichtert: „Wir fühlen uns gut empfangen und unterstützt“.
Sorgen wir dafür, dass dies aufhört!

++ Smash media spree Info 3 ++ Gegen die Privatisierung öffentlicher Raume
und Gelder + +

Kreuzberg ist nicht nike town: SHUT lT DOWN!

In der Falckensteinstraße 47/48 poliert Nike in Kooperation mit Club
103 sein „Ghetto“-Image auf. Das Wandbild zeigt zwei überdimensionierte
brasilianische Fußballer. Sie tragen Nike-Klamotten. Diese Strategie hat
System, sie heißt „Cultural Camouflage“. Nike gibt sich neutral,
sozial und subkulturell und eröffnet in trendigen und angesagten Stadtvierteln
sog. Showrooms, Galerien oder Clubs. Dort erscheint ganz dezent irgendwo der
Swoosh (das Nike-Zeichen). Nike gestaltet die Atmosphäre, denn Nike will
Street Creditbility erreichen; sog. Image- und Opinion­Broker sollen diese
Nike-Atmosphäre an die Scene-Massen bringen. In den USA werden Nike-Plagiate
und Diebstähle rechtlich nicht verfolgt, damit „coole“ schwarze
Kids an Nike Klamotten rankommen und ein Image aufbauen können, das auch
die reicheren, weißeren kids und Erwachsenen haben wollen und – natürlich
– kaufen können. „Nike ist cool, Nike ist subversiv, Nike ist Ghetto…“,
diese Botschaft will Nike verbreiten. Aber Nike ist nichts davon, denn Nike
ist Profit, Konsum, Kommerz und Ausbeutung. Dies wissen in Toronto alle. 2003
wurde von der Scene ein Nike-Showroom „geschlossen“ mit Protestkonzerten
und permanentem Farbbeutelbewurf: Wir lassen uns unserer Subkultur nicht infiltrieren,
war die Botschaft der Akteure. Toronto goes Berlin: Für eine nicht-konsumierbare,
widerständige schwul-lesbische-trans-Kultur!

++ Smash media spree: Info 4 ++ Gegen die Privatisierung öffentlicher
Räume und Gelder ++

Kreuzberg ist KEIN STANDORT! – Wer oder was ist media spree?

Media spree ist ein Lobbyisten-Netzwerk, das sich das „Management“
des Spreeufers in Kreuzberg-Friedrichshain zur Aufgabe macht. 22 Firmen und
Konzerne haben sich in der media spree-Lobby vernetzt. Sie nennen sich
„Partner“. Zu ihnen gehören u.a. die Allianz, Anschutz, Immobilienfirmen
wie „polaris“ und die „Office Grundstücksverwaltung“.
In ihren Broschüren feiern sie den „tollen Standort“ Kreuzberg,
den Bau jedes neuen Glas- und Bürokomplexes, die Niederlassung des größten
Toyota-Autohaus an der Spree, die „günstigen Mieten“, den umsonst­“Wasserblick“
und die „Wasserlage“. Der Senat steht mit den Plänen zum „Stadtumbau
West“ ganz auf ihrer Seite. Für das „alte“ Kreuzberg und
Friedrichshain haben sie nur abfällige Worte übrig, wie z.B. „das
frühere Niemandsland“ und die „unbefriedigende Eingangssituation“.
Sie entwickeln Umbaupläne und Maßnahmenkataloge, denken über
die „Aufwertung der Wrangelstraße“ oder die „Etablierung
einer neuen kreativen Kreuzberger Mischung“ nach. In ihren Broschüren
heißt „Kreuzberg“ jetzt schon „media spree“. Ihr
frisch vorgelegter ,,Maßnahmenplan“ entstand – so schreiben sie
– in Kooperation mit „allen für das Gebiet maßgeblichen Akteuren“
– a l l e n ?
Kreuzberg ist NICHT media spree und BewohnerInnen sind maßgebliche Akteure,
das sollten wir sie spüren lassen ….

* Zitate aus den Broschürern „mediaspree 1/2006“ Hg. von media
Spree, Stralauer Platz 34 und „Stadtumbau West. Berlin Kreuzberg 1“
Hg. von SenatsverwaItung für Stadtentwicklung, Württembergische Str.6

visdp. anne schutz, am roten stein 8, 14089 berlin


Redebeitrag der Anarchistischen Föderation
Berlin
:

JA, Guten Tag erst mal, liebe Queers:

ich bin von der anarchistischen föderation in berlin und verlese hier
ein grußwort!

wollen die anarchistInnen die republik ins chaos stürzen?

in tiefer nacht, wenn die lichter der laternen die dunklen winkel nicht mehr
erreichen, und die fassaden lange schatten werfen, gehen mysteriøse,
schreckliche dinge vor.
durch die schlafende stadt huschen schwarzgekleidete gestalten mit tief in die
fanatischen fratzen gezogenen schlapphüten und dämonischen sturmhauben.
sie unterminieren das friedliche gemeinwesen, verstecken gefährliches material
und schreiben ihr schwarzes menetekel an die mauern.
weite umhänge und jacken verhüllen mühsam die waffenstarrende
ausrüstung.
sprengstoff beult die taschen der düsteren gestalten.

leise ächzend werden schwere kisten voll waffen und munition in geheime
keller und schlupfwinkel geschleppt, in denen verschwørerInnen tag und
nacht, aufgeputscht von drogen, finstere, subversive pläne schmieden und
am sturz der regierung arbeiten.
sie bereiten ihn vor, den großen schlag, den tag X.
an dem sie das feuer an die lunten legen, die zünder aktivieren und das
teuflische werk zu vollenden trachten: die zerstørung jeder ordnung,
den ausbruch des fürchterlichen gesetzlosen chaos’, die willkürherrschaft
der wirrkøpfe, plünderung, terror, mord und totschlag allenthalben
… die grausamen, die wahnsinnigen anarchistInnen!

Das stimmt nicht alles – aber eines ist sicher:

Wir sind wirklich wahnsinnig !

Wir haben die wahnsinnige Vorstellung einer weltweiten Gemeinschaft ohne Zwang

Wir haben die verrückte Vision einer herrschaftsfreien Gesellschaft

Mensch sagt

Wer mit 18 nicht revolutionär ist, hat kein Herz
Wer mit 30 noch revolutionär ist, keinen Verstand

Wir sagen:

Wer mit 18 nicht sozialrevolutionär ist, ist spießig
Wer mit 30 nicht revolutionär ist, ist immer noch spießig! Und er
hat weder Herz noch Verstand.

Deshalb haben wir uns am 1. Mai diesen Jahres zusammengefunden, um die anarchistische
Förderation in Berlin zu gründen, die an keinem geringeren ziel mithelfen
will als an der Errichtung einer auf freiwilligkeit und hierarchielosigkeit
basierenden Ordnung, in der jeder Mensch gleich wichtig ist.

Vielleicht mögen einem manche Menschen wichtiger oder präsenter vorkommen,
vor allem die, die das sagen haben oder den politischen diskurs bestimmen, der
nichts weiter will, als den kapitalismus zu neuen höchstleistungen der
menschlichen verwertung zu treiben und dabei rassistisch denkt, dabei sexistisch
handelt.

Präsent sind wir aber schon heute, dass merkt eineR der herrschenden dann,
wenn er auf dem selben Platz stehen will wie ich,

und der mainstream mit seinem commercial street day merkt, wenn er sich auf
den schwulesbitransplatz, den politischen platz stellen will, den Platz des
Stonewall-Inn-Riots einnehmen will:
Dort, meine damen und herrInnen, steht schon wer – der transgeniale csd.
der einzig echte wahre und dieses jahr einzige csd!

Und genau so soll irgendwann die bundeskanzlerin etwas regeln wollen und feststellen:
mensch, da steht ja schon wer!
Da ist ja schon alles geregelt! Die leute haben sich selbst organisiert!

Falls sich also wer angesprochen fühlt vom libertären gedanken, wir
suchen noch dringend anarchafeministInnen, SyndikalistInnen, kommunistische
AnarchistInnen, PostanarchistInnen, Punks, Hippies, Libertäre, Genderkiller,
und alle anderen, die keine Herrschaft mögen
zum mitmachen in der anarchistischen föderation!

Die übrigens hiermit noch mal klarstellen will, dass sie unterstützt,
was hier passiert und was überall passieren soll, in warschau, moskau,
hong kong und dallas, in teheran und überall sonst auf der welt:
zerstørung jeder ordnung, ausbruch fürchterlichen gesetzlosen chaos’,
willkürherrschaft der wirrkøpfe, plünderung, terror, mord totschlag
… die grausame, die wahnsinnige

QUEEER REVOLUTION !

(http://afb.blogsport.de/)


Rechte Übergriffe in Friedrichshain

Der Transgeniale CSD startet am Frankfurter Tor und knüpft an die links-alternative
Politik- und Kulturszene in diesem Stadtbezirk an. In Friedrichshain tobt das
Leben und es ist gemeinhin anerkannt, dass in Friedrichshain kontinuierlich
Freiräume für allerlei gesellschaftlich marginalisierte Gruppen erkämpft
wurden. Kurzum, hier machte es Spaß zu leben. Doch ganz so einfach ist
es nicht.
Wie in vielen anderen Stadtbezirken Berlins häufen sich auch hier rechts
motivierte Pöbeleien und Angriffe gegen Menschen mit migrantischem Hintergrund,
gegen Menschen, die als links klassifiziert werden oder einfach nur Leute, die
nicht der heterosexuellen Normalität entsprechen.

Diese Angriffe geschehen nicht nur bei Nacht, fernab der Öffentlichkeit,
sondern täglich auf beliebten Plätzen wie dem Boxhagener Platz, auf
den U-Bahnhöfen, in Kneipen oder vor der eigenen Haustür. In diesem
Jahr zählten wir bisher mindest 30 solcher Angriffe. Die Zahl ist zunächst
nicht brauchbar, denn die Anzahl derer, die uns nicht erreichen wird um einiges
höher liegen. Besonders negativ hervorgetan haben sich einige Kneipen,
die sich „Kietzkneipen“ nennen, die Großraumdisko „Jeton“
und eine zur WM eröffnete Hooligankneipe in der Dolzigerstr. Ecke Eldenaer
Str. Von klassischen Nazikneipen kann jedoch in Friedrichshain nicht die Rede
sein. Vielmehr ist es ein unbestimmbares Milieu aus, sich unpolitisch gebenden,
BesucherInnen der zahllosen Kneipen, aus dem Angriffe heraus passieren. Auch
die Übergriffe, die auf den öffentlichen Plätzen geschehen, erscheinen
spontan und relativ willkürlich motiviert. Wer also hinter rechten Angriffen
in Friedrichshain organisierte Neonazis vermutet und nach einer erkennbaren
Strategie sucht, wird enttäuscht. Das wäre aber auch zu einfach, denn
diese wären wenigstens angreifbar, zu zerstreuen und kaltzustellen. Viel
dramatischer ist die gesellschaftliche Zustimmung, die extrem rechts motivierte
Angriffe erfahren. Es ist in Friedrichshain leider opportun zumindest wegzugucken,
wenn nicht sogar mit zuzulangen wenn’s mal wieder jemanden erwischt.

Erst in einem gesellschaftlichen Klima, wo rassistische und homophobe Allmachtsphantasien
akzeptiert oder gedeckelt werden, ist es möglich, solche rechten Verhaltensweisen
auszuleben. Neonazis, rechte TrinkerInnen, pöbelnde Fussballfans, alternde
Kriegshelden und elitäre Hausmänner bzw. -frauen fühlen sich
in Friedrichshain daher so wohl, weil sie sich und ihre menschenfeindliche Meinung
ebenfalls als Kiez begreifen. Das Gefühl, akzeptierter Teil dieses Bezirks
zu sein, schafft die Sicherheit, Übergriffe und Pöbeleien begehen
zu können. Dieses Milieu konnte sich nur bilden, weil nicht kontinuierlich
und eindeutig dagegen vorgegangen wurde. Jeder Angriff, jeder rassistische Spruch,
jede rechte Symbolik auf der Kleidung und jeder positive Bezug auf den Nationalsozialismus
muss Konsequenzen für die VerursacherInnen haben. Nur so lässt sich
diese öffentliche Akzeptanz rechter Meinungsbilder brechen und präventiv
die dazugehörigen Übergriffe verhindern. Die Propaganda der Tat hilft
unentschlossenen auch Mal, das Maul aufzumachen.

Wir sind froh, dass diese prinzipiell unbestimmbare rechte Friedrichshainer
Kneipenpublikum heute nicht hier ist. Der Grund dafür ist, dass der Transgeniale
CSD nicht uminterpretierbar ist, kein Bespaßungsprogramm für die
Kerngesellschaft liefert und nonkonformen Menschen ein Forum bietet. Diese Eindeutigkeit
macht den Transgenialen CSD, die linken Hausprojekte, Infoläden und Kulturräume
zu Schutzräumen für alle diejenigen, die sich sonst nicht so einfach
im Friedrichshain bewegen können. Heute ist unser Tag und das ist auch
allen rechten Unsymphaten aller Arten klar.

Macht Übergriffe und sonstige rechte Aktivitäten öffentlich,
meldet euch bei der lokalen Antifagruppe > www.antifa-fh.de.vu


Und hier noch ein Redebeitrag schwuler
Lehrer
für den Transgenialen CSD 2006, den diese aus Zeitmangel
nicht mehr halten konnten:

Schwule Sau! Schwule Sau! Schwule Sau!

Schwul ist auf dem Schulhof immer noch das häufigste Schimpfwort!
Vielleicht kennt Ihr das noch aus der eigenen Schulzeit!?
Und wie reagieren die Lehrerinnen und Lehrer auf homophobe Äußerungen
auf dem Schulhof und im Klassenzimmer?
Ein großer Teil ignoriert und überhört sie oder hat auch keine
Wahrnehmung dafür.
Andere fühlen sich überfordert und nicht befähigt, dieses „heiße
Eisen“ zu thematisieren.
Ursache dafür ist die unzulängliche Ausbildung während des Studiums
und des Referendariats, auch gibt es ein Weiterbildungsdefizit der Fortbildungseinrichtungen
für Lehrkräfte. Nur wenige Lehrerinnen und Lehrer fühlen sich
fachlich und persönlich in der Lage, souverän und offen mit der Klasse
über Homosexualität zu sprechen. Und noch viel katastrophaler sieht
es bei dem Thema Transsexualität aus.
Die Vorstellung vieler Lehrerinnen und Lehrer, dass in der eigenen Klasse eine
Schülerin oder ein Schüler dabei ist, und sich keinem Geschlecht zuordnen
will oder sogar dem jeweils anderen, das ist doch für die meisten Lehrer
die reinste Horrorvorstellung.

Wir, die Arbeitsgruppe schwuler Lehrer der GEW (Gewerkschaft Erziehung und
Wissenschaft) Berlin setzen uns dafür ein, diese Situation zu verändern.

Deshalb fordern wir:

1. Sexualerziehung gehört nicht nur in den Biologieunterricht!
2. Die Themen Homosexualität, Bisexualität und Transsexualität/Transgender
müssen verbindlich in die Rahmenlehrpläne aufgenommen werden.
3. Lehrkräfte müssen schon im Studium und im Referendariat mit der
Thematik vertraut werden, denn dies wird ihr zukünftiger Alltag!
4. Lehrkräfte müssen in diesen Themen Fortbildungen wahrnehmen können!

Alle Aussagen von lesbischen Schülerinnen und schwulen Schülern in
allen Befragungen der letzten Jahre belegen, dass im Unterricht Homosexualität
selten oder fast nie vorkam. Ob das Thema Transsexualität vorkam hat man
schon gar nicht mehr gefragt!
Und noch immer ist die Selbstmordrate homosexueller Jugendlicher viermal höher
als die heterosexueller.

Das reicht!

Wir kämpfen weiter für die oben genannten Forderungen.
Dies sind wir allen Kindern und Jugendlichen, die anders sind als andere, schuldig.

Wenn ihr mehr über unsere Arbeit wissen wollt, dann schaut auf unserer
HP www.schwuleLehrer.de.

Vielen Dank für Eure Aufmerksamkeit!


Hassverbrechen an einer Transsexuellen in Portugal

Entsetzen in der europäischen Transgender-Gemeinde über die Folter
und den Mord an einer Transsexuellen in Portugal sowie über die Versuche
der Vertuschung und Verschleierung dieses Hassverbrechens.

Am 22. Februar 2006 starb Gisberta Salce Junior, eine brasilianische Transsexuelle,
die seit vielen Jahren in Portugal lebte, nachdem sie in Porto von einer Gruppe
von Jugendlichen drei Tage lang sadistisch gefoltert, sexuell missbraucht und
schließlich in einen 10 Meter tiefen Graben geworfen wurde, in dem sie
ertrank. Die jungen Täter waren 14 Jugendliche und Kinder im Alter von
11 bis 15 Jahren, die in einem Heim für „schwer erziehbare Kinder“,
welches von der katholischen Kirche geleitet wird, leben. Gisbertas marginalisierter
Status als hiv-positive, transsexuelle, obdachlose, aus Brasilien migrierte
Sexarbeiterin verweist dabei auf den Kontext, in dem dieses Hassverbrechen stattfand.
Noch während internationale Transgender-AktivistInnen, die seit langem
den Schutz vor solchen Hassverbrechen fordern, damit beschäftigt waren,
Mahnwachen in Lissabon, Wien und Sydney zu organisieren, erreichte sie der zweite
Schock: der Versuch katholischer Würdenträger dieses grausame Verbrechen
als “Gerechtigkeit mit blossen Händen schaffen” zu legitimieren,
die Desinformationspolitik des Großteils der portugiesischen Medien sowie
das Versagen von politisch Verantwortlichen in Portugal die Tat als Mord und
als Hassverbrechen zu benennen. In der portugiesischen Tageszeitung Público
wurde die Tat, eine drei Tage andauernde Folter und sexuelle Misshandlung mit
anschliessender Ermordung, als eher „unbewusst, denn vorsätzlich begangen“
beschrieben. Laut einem Bericht der gleichen Zeitung konnte das Institut für
Forensische Medizin in Porto angeblich nicht eindeutig feststellen, ob Gisberta
an den Folgen der Folter und Vergewaltigungen, an Ertrinken oder an ihrem schlechten
gesundheitlichen Zustand starb. Dieser merkwürdige und für die Einordnung
des Verbrechens nicht unwesentliche Umstand, gehört zu den vielen Verwirrungen,
die in der Folge entstanden. Auch die portugiesischen PolitikerInnen – von einigen
Ausnahmen abgesehen – vermieden es von einem „Hassverbrechen“
zu sprechen, da Jugendliche involviert waren. Keine der politischen Parteien
verurteilte das Verbrechen offiziell. VertreterInnen der Anti-Homophobie-Organisation
Panteras Rosa und at erklärten schon früh in einer Pressemitteilung:
„Wir fragen nicht, ob Kinder fähig sind zu hassen. Es ist die portugiesische
Gesellschaft, die hasst und in der die Kinder aufwachsen. Der Hass gegen Schwule,
Lesben, Bisexuelle und Transgender, insbesondere die Transphobie, sind eines
der gravierenden, sozialen Probleme, die von Generation zu Generation reproduziert
werden.“

Es sind Hassverbrechen (hate crimes) wie dieses, aufgrund derer viele Transgender
z. B. aus Brasilien nach Europa fliehen, erklärt Carsten Balzer, der Vorsitzende
des Wissenschaftlichen Beirates des TGNB, der als Ethnologe Feldforschungen
in den Transgender-Subkulturen Rio de Janeiros durchgeführt hat. Wenngleich
einzelne Stadtregierungen Brasiliens große Fortschritte in der Menschenrechtspolitik
für Schwulen, Lesben und Transgender erreichten, ist die Zahl und Brutalität
der Hassverbrechen gegen diese Gruppen in Brasilien erschreckend. Laut einer
amnesty international-Einschätzung gilt Brasilien als eines der Länder
mit der höchsten Rate trans- und homophober Gewaltverbrechen. Dass die
Brasilianerin Gisberta S. nun in einem europäischen Land mit der gleichen
Gewalt und dem gleichen Hass konfrontiert wurde, vor der Menschen wie sie aus
Brasilien fliehen, ist Anlass zu größter Besorgnis. Auch in Europa
sind Hassverbrechen gegen Schwule, Lesben und insbesondere gegen Transgender
bekannt. Der umfassende Schutz vor Hassverbrechen wie diesem, war deshalb eine
der zentralen Forderungen des 1. Europäischen Transgender-Rates in Wien
im November 2005, an dem über 120 Transgender-Delegierte von 50 Organisationen
aus 23 europäischen Ländern teilnahmen.

Am 31. Mai 2006 verkündeten portugiesische Zeitungen, dass 13 der jugendlichen
Täter ein Verfahren wegen Mordes erhalten werden. Dies wurde von den portugiesischen
AktivistInnen als erster Erfolg der internationalen Mobilisierung angesehen.
Gerade in dieser Situation ist die internationale Unterstützung für
die AktivistInnen in Portugal besonders wichtig.

Mit einer Kundgebung Anfang Juni 2006 vor der potugiesischen Botschaft in Berlin
beteiligte sich auch das Transgender-Netzwerk Berlin TGNB, ein Zusammenschluss
von 21 Berliner Transgender-Gruppen, an einer internationalen Aktion des Europäischen
Transgender-Netzwerk TGEUnet. An diesem Tag gab es Kundgebungen und andere Aktionen
in Coimbra, Faro, Porto und Lissabon (Portugal), in Berlin und München
(Deutschland), in Wien und Graz (Österreich), in Paris (Frankreich), in
Barcelona, dem Baskenland und Madrid (Spanien) sowie in Milan und Turin (Italien).
Es folgten weitere Aktionen in São Paulo (Brasilien) und Rom (Italien).
Diese Aktionen wurden unterstützt von Individuen oder Gruppen aus Australien,
Belgien, Dänemark, Deutschland, England, Frankreich, Irland, Italien, Kanada,
Mexiko, Neuseeland, Niederlande, Österreich, Philippinen, Portugal, Spanien
sowie den USA.

Wir fordern von den Verantwortlichen:

1. eine grundlegende Reform des Systems zum Schutz von Minderjährigen
(minor protection system)
2. eine Sozialpolitik die marginalisierte, gesellschaftliche Gruppen unterstützt
und nicht ausschließt – EinwandererInnen, HIV-infizierte Menschen,
Drogenabhängige und SexarbeiterInnen eingeschlossen.
3. die explizite Erwähnung von „Geschlechtsidentität“
in Antidiskriminierungsgesetzen und die Aufnahme von durch Transphobie motivierten
Hassverbrechen ins Strafrecht.
4. Anstrengungen zu unternehmen um ein Bewusstsein für die Situation von
Transgendern in der Bevölkerung zu schaffen und um Trans- und Homophobie
in Schulen, an Arbeitsplätzen, bei der Polizei und in der Bevölkerung
abzubauen.
5. die vollständige rechtliche Anerkennung des gelebten Geschlechtes und
das Recht den eigenen Vornamen frei zu wählen sowie ein Gesetz zur Anerkennung
der gelebten Geschlechtsidentität ähnlich dem „Gender Recognition
Act“ in Großbritannien.
6. die Abkehr vom bevormundenden Umgang mit Transsexuellen durch MedizinerInnen.
Dies beinhaltet den freien Zugang zu medizinischer Behandlung, die freie Wahl
der MedizinerInnen, finanzielle Unterstützung bei Operationen und Behandlungen
ausserhalb Portugals sowie eine richtige medizinische Ausbildung in dieser Fachrichtung
im Portugiesischen Gesundheitssystem.

Carla LaGata: Arbeitskreis Öffentlichkeit des Transgender Netzwerk Berlin TGNB

Weitergehende Informationen unter: KEINSPAMinfo@tgnb.de
& www.tgnb.de
Zum Stand internationaler Aktionen siehe auch: tgeu.net
(mehrsprachig)
Zur aktuellen Diskussion in Portugal siehe auch: www.panterasrosa.blogspot.com
(portugiesisch)


Redebeitrag von Wigstöckel

Was ist eigentlich Wigstöckel?

Diese Frage taucht ja immer wieder mal auf. „Irgend so´n Transen-Partyding“
ist eine oft gehörte Antwort. Das Wigstöckel-Projekt bezieht den Untertitel
seines Namens, nämlich „Transgender united“, allerdings keineswegs
nur darauf, im Röckchen oder mit angeklebtem Bart oder mit beidem auf irgendeine
Bühne zu klettern und gemeinsam mit allen jeweils anwesenden Transen, Transis
und anderen Transgendermenschen das Transsein zu feiern. Obwohl ja auch das
dazugehört
zu Wigstöckel, und obwohl auch dies ausgesprochen politisch sein kann.

Wigstöckel als Projekt will vor allem ein Forum sein für alle Menschen,
die sich austauschen möchten über die Themen Transgender, Geschlecht,
über unterschiedliche Inszenierungen von Geschlechterrollen sowie über
die Vielfältigkeit und die Vielschichtigkeit von Geschlechterbildern.

Ein Ursprung von Wigstöckel liegt in den USA, im New York City der 80er
Jahre. Dort organisierten zunächst hauptsächlich Dragqueens eine Veranstaltung
namens Wigstock, bei der sich insbesondere Queens und Wigträger, also Perückenträger
trafen. 1994 wurde die Wigstock-Idee aufgenommen von einigen Menschen aus der
West-Berliner Transen-, Tunten- und Schwulenszene. Anfangs wurden unterschiedliche
gemeinsame Aktionen durchgeführt, die sowohl das Selbstbewußtsein
stärken sollten als auch dazu gedacht waren, in der Gesellschaft sichtbarer
zu machen, dass es mehr Geschlechter gibt als die zwei Geschlechter „Mann“
und „Frau“. Das erste Wigstöckel-Event als Veranstaltung und
Feier fand am 31.august 1996 im SO36 statt. In den zehn Jahren seither hat sich
viel entwickelt. Mittlerweile umfaßt der Transgender-Kosmos noch viele
weitere Geschlechter, zu den Schwestern sind Brüder und allerlei andere
Geschwister hinzugekommen. Heute gibt es in der Szene und so auch bei den unterschiedlichen
Wigstöckel-Veranstaltungen neben Dragqueens und Tunten eben auch Dragkings,
Transmaänner mit und ohne Operationen, Kingstunten, TransgenderFemmes,
Inbetweens und alle erdenklichen weiteren Selbstdefinitionen und Selbstinszenierungen
von
Geschlecht. Neben Event mit Show und Party einmal im Jahr bietet Wigstöckel
bei Werkstätten mit unterschiedlichen
Arbeitsschwerpunkten und bei Talks, also Diskussionsrunden zu unterschiedlichen
Themen, die Möglichkeit, sich mit anderen am
Transgendergedanken interessierten Menschen auszutauschen, Kontakte zu knüpfen
und gemeinsam Veranstaltungen zu erarbeiten. Die gleichen Zielsetzungen verfolgen
auch die Mitarbeit von Wigstöckel beim TransGenderNetzwerk Berlin sowie
andere Wigstöckel-Veranstaltungen, wie etwa das jährliche Transgenderpicknick
oder die Teilnahme von Wigstöckel an Veranstaltungen wie beispielsweise
dem Hoffest am Mehringdamm 61. All das soll außerdem der Sichtbarkeit
von Transgendermenschen in der
Öffentlichkeit dienen, in der Mainstream-Hetero-Gesellschaft ebenso wie
in der schwul-lesbischen Szene. Alles ganz im Sinne von „Huhu, wir (Transmenschen)
sind da!“

Zu Wigstöckel gehören zudem der Walk of Fame als Galerie von verstorbenen
Transgender-Persönlichkeiten sowie die Open STage als Forum für neue,
junge Transmenschen, die ihre Ideen und Vorstellungen zu Trans-Themen auf der
Bühne präsentieren möchten. Der Wigstöckel-Event als gemeinsame
Feier des Transgenderdaseins findet dieses Jahr am 7. Oktober im SO36 statt.
Und weitere Informationen könnt ihr natürlich auf unserer Homepage
finden: www.wigstoeckel.com.
Wir freuen uns jederzeit über Menschen, die beim Projekt mitmachen möchten.

Pressestimmen

Transgenialer CSD: TAZ v. 26.06.06

Transgenialer Christopher Street Day: „Keine reine Kuschelparade“: TAZ v. 26.06.06

„Transgenial, nicht transegal“: TAZ v. 24.06.06

„O2-World“ fordert Widerstand heraus: TAZ v. 24.06.06

Transgenialer CSD in Berlin: Indymedia v. 24.06.06

Wie Ottilie Normalbürgerin: Junge Welt v. 26.06.06