tCSD 2007

Transgenialer CSD 2007

TRANSGENIALER CSD 2007 – AUFRUF

10 Jahre für das Dagegensein!
10 Jahre Transgenialer CSD. Was mit Schlamm begann, geht mit Wut weiter.
Und wir sind richtig wütend! Denn es gibt uns seit 10 Jahren – toll!
Doch es ist zum kotzen, dass es uns immer noch geben muss.
Wir wollen keinen Transgenialen CSD mehr!
Aber solange es Diskriminierung, Profitgier, globalisierte Zwangsausbeutung,
vorgeschriebene Zweigeschlechtlichkeit, Armut und all die andere Scheisse gibt, und
nichtsdestotrotz lustige Spass-Leistungs-Paraden durch die Stadt ziehen, geben wir keine
Ruhe!
Wir haben keinen Bock auf Gleichschaltung und hüpfen in keine Mainstream-Schubladen,
um endlich in der Mitte angekommen zu sein.
Wir haben keinen Bock auf Nazis, in Parlamenten, Darkrooms und Köpfen.
Wir haben keinen Bock auf G.walt, G.winnsucht, G.schlechtsdiktate und G8.
Wir haben keinen Bock auf Gesetze, die uns vorgeben, wie wir aussehen, auftreten und
heißen sollen, um akzeptiert zu werden.
Wir haben keinen Bock auf Grenzen, Kriege und Abschiebungslager, denn Menschen sollen
fliehen können, wohin sie wollen.
Wir haben keinen Bock auf Parteien, uns könnt ihr nicht ausnutzen!
Wir haben keinen Bock auf eine sexistisch organisierte homo- und transphobe Gesellschaft
deren Grusel-Gurus ihren Gott dazu benutzen Gewalt gegen uns zu predigen.
Wir haben keinen Bock auf die Diskriminierung von Migrant_Innen und auf die
Diskriminierung von Menschen unterschiedlicher Hautfarben, Lebensweisen oder
körperlicher Eigenschaften, auch nicht in der Szene!
Wir wollen kein Stück vom Kuchen, wir wollen ein anderes Rezept!
Und bezahlt wird immer noch nicht.
Tragt die Wut mit uns auf die Straße. Lasst uns lieben, lachen, kämpfen für queere
Solidarität auf dem Transgenialen CSD und überhaupt!
Transgenialer CSD 2007
23.06.2007
12:00 Uhr
Treffpunkt Karl-Marx-Allee – Kosmos Kino
Route:
Karl-Marx-Allee/ Kosmoskino (Sammeln)
Lichtenberger Straße
Michaelkirch-Straße
Köpenicker Straße
Adalbertstraße
Waldemarstraße
Leuschner-Damm
Oranienplatz
Oranienstraße
Heinrichplatz (Abschlusskundgebung)

Redebeiträge

Wir dokumentieren hier die Redebeiträge des Transgenialen CSD 2007; für
die Inhalte sind die jeweils Vortragenden verantwortlich. Jegliche Haftung,
insbesondere für eventuelle Schäden oder Konsequenzen, die durch die
Nutzung der angebotenen Informationen entstehen, ist ausgeschlossen.

Homophober Angriff | Wildwasser | RECHTE ANGRIFFE IN FRIEDRICHSHAIN-KREUZBERG | Wenn Arbeit krank macht | SCHWARZER KANAL BLEIBT! | UNSICHTBARKEIT VON TRANSGENDERN | InterQueerNetz | AUFRUF TRANS-CSD 2008 | TransInterQueer e.V. | Transgender Europe | Wigstöckel | DYKE TRANS MARCH | MAEDCHENBLOG | AG Schwule Lehrer | GAUNER-REDE | QUEERS GEGEN G8

Homophober Angriff

Hallo liebe Mensch_innen,
Willkommen zum diesjährigen transgenialen CSD.

Die Demo startet in diesem Jahr vor dem Kino Kosmos. Der Grund dafür
ist ein homophober Übergriff Ende letzten Jahres:

Am Abend des 24. Novembers 2006 waren wir zu einer Geburtstagsparty, welche
im Rahmen einer bekannten Lesbisch-Schwulen-Partyreihe hier im Kosmos stattfand,
eingeladen.
Nach dem Ende der Show und dem einen oder anderen Gläschen Prosecco wollten
wir uns gegen 3.00 Uhr morgens in bester Stimmung auf den Heimweg machen.

Vor dem Kino hatte sich eine Gruppe von mehreren Jugendlichen versammelt, die
lauthals Sprüche gegen Schwule brüllten: „Ich hasse Schwule!
Schwule sind doch ekelhaft!“ usw. Diese Gruppe war uns auch schon auf
der Party selbst durch ihr unangenehmes Verhalten aufgefallen. Wir forderten
sie daraufhin auf, die Pöbeleien zu unterlassen, was sofort mit körperlicher
Gewalt beantwortet wurde… soll heißen: ich bekam 2 auf die Nase.

Es entstand eine Rangelei, welche durch den Türsteher des Kosmos
beendet wurde. Die Jugendlichen wurden Richtung U-Bhf. geschickt. Wir
machten uns kurz darauf ebenfalls auf den weg zum Frankfurter Tor, zogen
es jedoch vor, die andere Straßenseite zu benutzen.

An der Kreuzung angekommen, begegneten wir der mittlerweile deutlich
aggressiveren Gruppe erneut, die uns auch umgehend verbal attackierten.
Wir versuchten durch bewusst defensives verhalten der Situation aus dem
Weg zu gehen, was uns jedoch nicht gelang. 4 junge Männer der Gruppe,
welche sich durch besonders hohes Gewaltpotenzial auszeichneten, griffen
uns mitten auf der Fahrbahn an und begannen auf uns einzuschlagen, so
dass wir zu Boden gingen. Sie wurden nicht müde unter wüsten
Beschimpfungen auf uns einzuprügeln, während wir am Boden lagen.
Dabei traten sie gezielt auf unsere Köpfe ein. Umstehende Passanten
und auch die Autofahrer_innen, welche wegen uns nicht weiterfahren konnten,
unternahmen nichts.

Einen Moment, in dem sie kurz aufhörten uns zu traktieren, nutzten
wir um Richtung Boxhagener Straße zu flüchten. Nur so konnten
wir uns weiteren Attacken entziehen.

An der Ecke zur Boxhagener Straße wurden wir erneut zu Boden geworfen,
diesmal jedoch von Beamten einer Einsatzhundertschaft. Diese legten uns
noch am Boden liegend Handschellen an und teilten uns mit, dass wir wegen
gefährlicher Körperverletzung angezeigt werden würden.
Erklärungsversuche unsererseits wurden von den Beamten schlichtweg
ignoriert. Wir konnten jedoch vor Ort eine Anzeige gegen die noch anwesenden
Täter stellen. Erst nachdem wir mehrmals darauf hinwiesen, dass wir
beide starke körperliche Schmerzen hatten, hielten es die Beamten
für nötig einen Rettungswagen zu rufen. Die alarmierten Sanitäter
waren jedoch weder in der Lage, unsere Gehirnerschütterungen festzustellen,
noch einen gebrochen Mittelhandknochen als solchen zu erkennen. Sie unterstellten
uns stattdessen Drogenkonsum und befanden uns für transportfähig
zur Gefangenensammelstelle (GeSa). Dort angekommen verbrachten wir die
Stunden des Wartens auf die anstehende Erkennungsdienstliche Behandlung
damit, uns von den äußerst unsensiblen Beamten nicht provozieren
zu lassen. Sie ließen uns gegenüber keinen Zweifel daran, dass
sie uns für die Täter und nicht die Opfer dieser Auseinandersetzung
halten. Diesen Psycho-Terror bestärkten sie, indem sie sich, für
uns laut und deutlich hörbar, die vermeintlich neuesten Schwulenwitze
erzählten. Selbstverständlich verweigerten wir jede Aussage.

Meine Hand ist wieder in Ordnung und auch die Schmerzen im Kopf sind
mittlerweile nicht mehr wahrzunehmen, doch für wie viele endet ein
Angriff wie dieser anders? Fakt ist, dass wir verdammt viel Glück
hatten und auch die Möglichkeit auf die Unterstützung einer
relativ gut funktionierenden Queer_Trans_Antifa_Szene hoffen zu können,
betrachten wir als ein Privileg.
Manch andere_r hat dies nicht, dem sind wir uns bewusst.

Dieser Angriff ist kein Einzelfall, er steht exemplarisch
für einen homophoben und transphoben Alltag. Gerade deshalb ist es
wichtig, nicht nur an Tagen wie heute, diskriminierenden Arschlöchern
das zu sagen, was wir von ihnen halten: SMASH HOMOPHOBIA! SMASH
TRANSPHOBIA!

Wir fordern außerdem eine Sensibilisierung von Polizeikräften
im Umgang mit Menschen, die sich Jenseits einer heteronormativen Gesellschaftsordnung
bewegen und eine entsprechende Bestrafung der Schläger und Gewalttäter!!!

Viel Spaß beim transgenialen CSD wünschen euch Anna und Arthur!


Wildwasser: sexueller Missbrauch

In den letzten Jahren haben sich in Westeuropa viele Personen des öffentlichen
Lebens geoutet. Sehr selten hört man aber von prominenten Personen, dass
sie von sexuellem Missbrauch betroffen waren. Obwohl nach Schätzungen jede
dritte Frau und jeder sechste Mann in der Kindheit Opfer von sexuellem Missbrauch
wurde, wagt kaum jemand, sich später in der Öffentlichkeit dazu zu
bekennen. Nach wie vor sehen sich die meisten gezwungen, darüber zu schweigen.

So erscheint der sexuelle Missbrauch als seltener Einzelfall, und in den Medien
wird ein Bild der Täter präsentiert, das sich an besonders spektakulären
Taten von sogenannten Kinderschändern orientiert.

Aber nicht der Mann, der auf dem Spielplatz kleinen Kindern auflauert,
ist der häufigste Tätertyp. In 90 % der Fälle ist es ein
naher Verwandter oder Bekannter der Familie. Diese Täter gehen fast
immer straffrei aus, da nur wenige Opfer eine Anzeige wagen und es nur
selten zum Prozess, noch seltener zu einer Gefängnisstrafe kommt.
Aber auch in anderen Bereichen geschieht zu wenig, um der Lage der Betroffenen
gerecht zu werden.

Die Einrichtungen für Betroffenenhilfe und Prävention werden
durch Mittelkürzungen in ihrer Arbeit immer mehr behindert. Die Einsparungen
im Gesundheits- und Sozialbereich bedeuten für viele Betroffene eine
besondere Härte, ebenso die Tatsache, dass sie im Falle von Arbeitslosigkeit/Hartz
IV-Bezug bis zum 25. Lebensjahr bei ihren Eltern wohnen müssen.

Deshalb fordern wir:

  • Der Schutz vor sexueller Gewalt muss das Fundament für Selbstbestimmte
    Sexualität sein.
  • Besonderen Schutz für Kinder, da sie Erwachsenen nicht gleichberechtigt
    entgegen treten können.
  • Die Familie darf kein straffreier Raum sein.
  • Die Rücknahme der Kürzungen im Sozialbereich.
  • Ein Ende der Scham, so dass die Betroffenen Gesicht zeigen können.

www.wildwasser-berlin.de


RECHTE ANGRIFFE IN FRIEDRICHSHAIN-KREUZBERG

Im vergangenen Jahr war Friedrichshain wieder der Bezirk, in dem die
meisten rechtsextrem, rassistisch oder antisemitisch motivierten Übergriffe
und Gewalttaten verübt worden sind.

Im Vergleich zum Vorjahr haben sich die Zahlen in der von ReachOutBerlin
geführten Chronik verdoppelt; in Friedrichshain-Kreuzberg gab es
mehr als 50 solcher Ereignisse: 27 davon richteten sich gegen nicht-Rechte
und politische Aktive, 8 waren rassistisch und 4 heterosexistisch motiviert.

Friedrichshain, der als alternativer und bunter Bezirk gilt, ist demnach
für nichtweiße und nicht dem Mainstream entsprechende Menschen
alles andere als offen oder alternativ und vor allen Dingen nicht sicher.
In Friedrichshain finden sich viele Treffpunkte und Kneipen, die für
die rechte Szene attraktiv sind. Die Verkehrsknotenpunkte Frankfurter
Allee, Warschauer Str. und Ostkreuz sowie die U5 und diverse Tramlinien
machen den Kiez gut erreichbar für alle:

In der Nähe des U-Bahnhofes Samariterstraße
werden fünf Personen unabhängig von einander von einer Gruppe
von sechs bis acht schwarz gekleideten und vermummten Neonazis angegriffen.
Sie werden mit Flaschen, Steinen und Teleskopstöcken geschlagen und
zum Teil schwer verletzt.

Am S-Bahnhof Frankfurter Allee wird eine schwarze Frau
von sechs Neonazis festgehalten und mehrfach geschlagen und getreten.
Dabei erleidet sie mehrere schwere Verletzungen, die im Krankenhaus behandelt
werden müssen. Die gerufene Polizei schreibt eine Anzeige wegen Ruhestörung
gegen die junge Frau, weil diese sich wohl zu laut über den Angriff
aufgeregt hatte. Die Täter werden nicht gefasst.

Am S-Bahnhof Ostkreuz wird ein Jugendlicher von einer
Gruppe von zwölf Neonazis angegriffen und mit einer Eisenkette im
Gesicht verletzt.

Es sind also nicht nur die Berliner Außenbezirke, die gefährlich
sind, sondern vielmehr innerstädtische Bereiche wie Friedrichshain
oder auch Kreuzberg. Diese Tatsache spricht der zur Fussball-WM 2006 aufgekommenen
Debatte um No-Go-Areas entgegen: Die Bezeichnung von bestimmten Gebieten
als „No-Go-Areas“ impliziert, dass es auch „Go-Areas“
– also sichere Bereiche – geben würde. 30 Übergriffe in Friedrichshain
ereigneten sich im öffentlichen Raum, 18 auf Bahnhöfen; das
zeigt deutlich, dass es auch im innerstädtischen Bereich keine sicheren
Zonen gibt. Außerdem leben auch in so genannten „No-Go-Areas“
potentielle Opfer rechtsextremer, rassistischer, antisemitischer oder
heterosexistischer Gewalt. Wenn wir diese Gebiete als „No-Go-Areas“
bezeichnen, dann übertragen wir den Betroffenen die Verantwortung
für ihre Sicherheit und für die Angriffe, denn schließlich
müssten sie ja wissen, dass sie sich in gefährlichen Gebieten
aufhielten. Oft werden Betroffene mit nicht zu rechtfertigenden Fragen
konfrontiert, z. B.: was sie denn um diese Zeit an diesem Ort wollten
oder warum sie sich so provozierenden kleiden würden.

Jede und jeder hat aber das Recht, sich an jedem
Ort und zu jeder Zeit unbehelligt zu bewegen.
Und wenn Menschen
angegriffen werden, müssen sie alle mit dem gebührenden Respekt
behandelt werden. Angriffe treffen aber sehr selten auf ein öffentliches
Interesse. Meist ist dies nur der Fall, wenn die Betroffenen in gesellschaftlich
und politisch anerkannten Strukturen eingebunden sind. Ein Beispiel dafür
ist der Angriff auf Wahlkampfhelfer der SPD in Hellersdorf im vergangenen
Jahr. Dieser wurde von verschiedenen Seiten öffentlich verurteilt
und war von hohem Interesse für die Medien. Den Betroffenen wurde
Empathie und Mitgefühl entgegengebracht.

Opfer, die über keine Lobby verfügen, erfahren eine
solche Anerkennung nicht;
die Täter_innen werden nicht öffentlich
verurteilt und es fehlt ein klares Signal, dass eine solche Vorgehensweise
absolut inakzeptabel ist. Es ist nicht einmal selbstverständlich,
dass Menschen sich in Angriffssituationen mit Betroffenen solidarisieren:

Beispielweise auf dem Boxhagener Platz wird ein homosexueller
Mann von Nazis schwulenfeindlich beleidigt und ins Gesicht geschlagen.
Auf dem Platz halten sich zu dieser Zeit mehr als 100 Menschen auf, nur
fünf bis sechs von ihnen stehen spontan auf, um zu helfen. Nach lautstarker
Aufforderung des Geschädigten kommen ein paar Leute dazu, so dass
die Angreifer sich etwas entfernen, aber weiterhin auf dem Platz Biere
trinken und Leute anpöbeln. Oder: In der Nähe des Märchenbrunnens
am Volkspark Friedrichshain werden drei Männer von einer Gruppe aus
sechs Männern und einer Frau schwulenfeindlich angepöbelt, geschlagen
und getreten. Als eine_r der Geschädigten laut um Hilfe schreit,
flüchten die Angreifer. Wieder im Volkspark Friedrichshain werden
zwei Homosexuelle von sieben Männern angegriffen und verletzt –
in beiden Fällen kam niemand den Betroffenen zu Hilfe.
Auch in Kreuzberg sind solche Angriffe keine Seltenheit, deshalb rufen
wir ALLE dazu auf, mit offenen Augen durch die Stadt zu gehen, sich einzumischen
und Täter_innen klar zu vermitteln, dass ihr Handeln absolut inakzeptabel
ist.

Wir rufen Verantwortliche in der Politik dazu auf, sich in jedem Fall
klar gegen rechtsextremes, rassistisches, antisemitisches und heterosexistisches
Gedankengut und Handeln zu positionieren und Projekte und Kampagnen, die
dagegen arbeiten, langfristig weiter zu unterstützen.

Reach Outmore
info:
ReachOutBerlin Opferberatung und Bildung gegen Rechtsextremismus, Rassismus
und Antisemitismus – Oranienstr.159, 10969 Berlin,

o3o – 69 56 8339 – www.reachoutberlin.de,
info (at) reachoutberlin.de.


Wenn Arbeit krank macht müssen wir uns gemeinsam
wehren! Her mit dem fetten Grundeinkommen und der 20-Std-Woche!

Laut AOK haben Krankschreibungen aufgrund seelischer Leiden um 74 %
zugenommen in den letzten Jahren. Aus Angst um ihre Stellen trauen sich
die Menschen kaum mehr mal krank zu machen, sie werden deshalb ernsthaft
krank. Krank machend wirkte in dieser Zeit der Abbau sozialer Rechte,
die Verknappung von Lohnarbeit das Lohndumping und der Zwang zu Arbeit
auch zu Hungerlöhnen, sowie die ständige Diskriminierung von
Arbeitslosen als Faulenzer. Logo grassiert da das Mobbing und kostet mehrstellige
Milliardenbeträge! Die Menschen machen sich gegenseitig fertig, wenn
Arbeit zu Bedingungen der Ausbeutung so sehr staatlich gefördert
wird.

Ausserdem: Wer nicht in sexistische, homophobe, transphobe und rassistische
Normen passt, hat selten Chancen auf dem Arbeitsmarkt. Wir sollen arbeiten
unter Bedingungen, die uns krank machen. Daher werden immer mehr Menschen
depressiv, ausgebrannt, selbstmordgefärdet oder agressiv oder sie
reagieren mit psychotischen Symptomen. Menschen in solchen Krisen aber
haben kaum Räume für heilende Begegnungen: Schnell werden chemische
Psychopharmaka verordnet, um ihre seelische Krise zu betäuben und
sie wieder anzupassen an ein Arbeitszwangsystem, das gar keinen Platz
für sie als sensible menschliche Individuen hat . Andere verletzen
sich selber, wenn sie sexuell oder psychisch in den Familien ihrer Kindheit
traumatisiert wurden. Die Behinderung durch Geschlechterollen zur einseitigen
Zurichtung als entweder VerdienerMännchen oder soziale Nährmutter
für nix zusammen als Familien mit Gechlechts-Hierarchien ist gewaltfördernd,
sie entwertet die Potenziale der Menschen durch Herrschaft und Ausbeutung.

Diese Hetero-Normfamilien, die uns von Rechts wieder als naturhafter
Hort der Wohltat vorgegaukelt werden, erweisen sich real allzuoft als
Orte, die die soziale und sexuelle Gewalt individuell vermitteln, zuspitzen
und verdecken. Jegliche Art Zusammenleben aber muss scheitern, wenn mensch
3-5 Jobs bedienen muss zum Überleben, weil Arbeit entwertet ist durch
Kapital.

Wir könnten heute die patriarchalen Struktur hinter uns lassen,
wenn wir gemeinsam für eine Umverteilung aller Arbeit, zu einer 25
Stunden Woche für alle, Ausbau der sozialen öffentlichen Dienste
und einem fetten Grundeinkommen streiten. Aber die patriarchale Norm wird
wieder verstärkt propagiert, um uns gefügig zu machen. Sonst
müßte van der Leyen als ersten Schritt ein Abschaffung des
Ehegattensplitting zugunsten der Finanzierung sozialer Menschenrechte
für alle Kindern umsetzen und das will sie wohl nicht. Sie ist eher
Teil des konservativen Rollbacks mit dem seit den 90gern Themen des Feminismus
von Rechts besetzt werden, um so Klassismen und Rassismen zu pushen, die
die Frauenbewegungen spalteten: „SuperFrau-Vorbild“ von der
Leyen soll jungen Frauen Freiheit als neoliberale „Marktfreiheit“
und Züchtungsziel der Konservativen darstellen. Rechte Politik mit
Frauenthemen heißt mehr doitschen Akademikernachwuchs fordern, anstatt
mehr Menschen bei uns ein Studium zu ermöglichen. Elitenzucht verlangt
so, dass die stetige Umverteilung von Unten nach Oben den Oberklassen
ihre Herrschaftsansprüche ermöglicht. Mit „Klassismus“
gibt es „Diversity“ dann für die globalen Eliten, die von
der Ausbeutungsglobalisierung gemeinsam profitieren.

Die Unterschichten stellen dazu die mehr oder minder entrechteten Hilfskräfte,
die im Mangel gebunden im Kampf um Hungerjobs rassistisch u.sexistisch
gegeneinander aufgehetzt werden können: Sie könnten sich ja
sonst solidarisieren und das Kapitalismus/Patriarchat (=Kapriarchat) absetzen.
Fundamentale Religion hilft dabei.

Das Kapriarchat weltweit abschalten!
Kapital, GeschlechterRollen und Grenzen sind Grundlage von Ausbeutung
und Herrschaft: Rechtlose Migrantinnen putzen und bauen die reiche Welt
für Sklavenlöhne. Pflege und Erziehungstätigkeiten sind
bei uns abgewertet, un-/unterbezahlt, weil dies traditionell im Patriarchat
unbezahlte Frauenarbeit ist. Dass soziale Arbeit aber verschiedene, sehr
anspruchsvolle Berufe mit hohem Bedarf an sozialer Bildung meint wird
ignoriert. Durch solche Gendermuster leiden Kinder und Alte an unmenschlicher
Behandlung bzw. es wächst Europa gerade zusammen dank der Transfers
osteuropäischer Hauspflegerinnen.

Da soziale Dienste so hohe Potenziale für die Humanität unserer
Gesellschaft bergen, sollten sie eine hohe Bezahlung und Ansehen sowie
ein gute Ausbildung für alle Gender geniessen. In Skandinavien wurden
so die Bildung und die Krankenversorgung besser zum Wohle aller. Bei einem
hohem Grundeinkommen auch könnten wir alle besser menschlichere Zustände
leben. Stattdessen wird das alte kapriarchale Familienlied des Zwanges
von Konkurrenzkämpfern und vom HausMuttertiermythos angestimmt, wo
doch dauernd Fälle von sozial verarmten Müttern durch die Presse
geistern, die in ihrer sozialen Verarmung unter den Rollenzwängen
ihre Kinder töteten, verhungern liessen oder durch ihre Partner zu
Tode kommen ließen.

Die Armut, die diese Kinder erleiden, ist der Skandal: Dass nicht ihr
Recht auf soziale Leistungen höher wiegt als veraltete patriarchale
Familienmythen.

Diese Mythen sind gefährlich: So wurde es u. a. auch mit durch
diese ermöglicht im NS die Bevölkerungsmehrheit der „braven“
Familien dazu zu bringen, zunächst ihre in Heimen lebenden Angehörigen
in den Euthanasiemorden umbringen zu lassen und anschliessend für
den nächsten Schritt – die Vernichtung der „ethnisch Anderen“
– schon ausreichend abgestumpft zu sein“. Das war echt krank!

Die Globalisierung wird uns ständig als Grund für verschärfte
Ausbeutung genannt: Da die Ausbeutung wo anders noch viel härter
sei, müßte sie hier natürlich angepasst werden. Quatsch!
Was uns bedroht und krank macht ist das patriarchisch – kapitalistische
System der zerstörerischen Verwertung. Solidarität bei der Umwandlung
dieses Systems ist die beste Medizin.

Gibt es Hoffnung?
Die Kosten für den Anstieg von seelischem Leiden sind so gewachsen,
dass versucht wurde, per Gesetz diese Aufgaben des Sozialstaates an die
unbezahlte Familien-arbeiter_innen – meist Frauen – abzuwälzen: Familien
sollten dann für ihre psychiatrisierten Angehörigen verantwortlich
gemacht werden und das Recht erhalten, diese per Zwang mit Psychopharmaka
ruhig zu stellen. Fast wäre das geglückt, es erinnerte aber
dann doch an die Erbschaft des Euthanasie-programms unter den Nazis. Betroffene,
Angehörige und Profis schafften es noch gerade so, sich zusammen
zu schliessen, um das zu verhindern. Verdient hätte an solch einer
Zuspitzung der Gewalt in den Familien vor allem die Chemo-pharma-industrie.
Dies ist ein Industriezweig, der mächtige global player stellt. Viele
Grossverbrechen seit dem 2. Weltkrieg zeigen die Verwicklung solcher Chemiefirmen
und/ oder Chemie Multis als Profiteure an bisher ungesühntem unermesslichen
Leid: neben Zyklon B(Gaskammern), betrifft dies z.B. die Folgen der chemischen
Kriegführung in Vietnam mit Agent Orange, die Gaz-katastrophe von
Bhopal u.v.m. Gentechnik und Biopiraterie sind die aktuellen Erweiterungen
der Geschäftsfelder dieser Multis.

Wir brauchen dringend eine global geltende Rechenschaftspflicht zur
Vorbeugung und Wiedergutmachung solcher Verbrechen! Gesund macht uns Solidarität
hierfür, für eine 25 Stunden Woche für alle bei fetten
Mindestlöhnen, öffentlichem Reichtum und einem bedingungslosen
Grundeinkommen weltweit
. Öko Umbau sofort bringt massig
zu tun und Kinderarmut in jedem Land ist ein Skandal! Am CSD sind wir
weiter gegen das Kapriarchat: Wir wollen nicht als Gays im Ausbeutungssytem
integriert werden!!!

Solidarität ist Waffe und Medizin, denn: Wenn Arbeit krank macht,
müssen wir uns gemeinsam wehren ! transkontinental- transkulturell
-ökologisch, transgenderig transformatorisch, etwas Besseres als
das Kapriarchat ist überfällig!

Eure : Zuala- Luraki – Transformosa
oder bürgerlich: Ruth
V.i.S.d.P Ruth Luschnat 2007


SCHWARZER KANAL BLEIBT!

QUEER WAGON PLACE SCHWARZER KANAL: Is a group of queers, women and trans
living in trucks, vans and wooden wagons on a 3000 sqm piece of ground
in central Berlin. Being Feminist-Queer identified, we are open to people
to come and live here who feel comfortable with that definition, whatever
their gender or sexual orientation may be. Visitors of all shapes and
sizes are welcome – apart from people who promote sexist, racist, or homophobic
ideas. Come and say hello! Michael-Kirch str 20 10179, Berlin u-bahn:
Heinrich Heine str

HOW DO WE LIVE TOGETHER? We live together communally, loosely centered
around a kitchen wagon, with an optional cooking rota. We have a workshop
for tools, and a shared bathroom and showers. There is a weekly meeting.
We try to work non-hierarchically and in smaller groups where possible.
There is set of “ basics”: an understanding that all who live
here take responsability for the place and help to fight the evction or
to find somewhere new. We have a rough garden and pots dotted around which
we attempt to cultivate. There is a beautiful little tractor which we
use to pull our wagons around with when they need to be re-arranged. ..and
we are looking for more people to come and live with us! Get in touch!
schwarzer-kanal (at) web.de

COMMUNITY PROJECT We see ourselves not only as a place to live, but also
as open to the wider queer, refugee and activist communities. We also
hope to liaise with other autonomous spaces in Berlin and beyond, There
is a community wagon available to use for workshops, yoga, and small events.
There is a bike workshop wagon, which Every Thursday afternoon is open
to all as a self-help repair workshop with cake! There is a small Action
kitchen
wagon. At least once every month there are community meals, or concerts
or benefit parties, or film evenings on the place. Check out the web site
for
further details: www.schwarzerkanal.squat.net

FIGHTING THE EVICTION Since the 6th of March the wagon place can be evicted
at any time. The anti wagon-place laws in Berlin make it very hard to
resist any legal complaint that neighbours may make. Unfortunately our
neighbours complained from the first moment that we moved to the site
in early
2003, after being evicted from our 13 year former home to make way for
a union office. A long and predictably futile legal battle ensued.
Schwarzer Kanal and plenty of other nice sites have to move for media
spree, a big gentrification project to “clean” Kreuzberg and
Mitte. We are optimistic and have hope of aquiring a new place by one
means or another – but we need your help and support to give us
the energy to carry it off! Find out about supporters events by joining
our email list: Send a mail to
Schwarzer-kanal(at)web.de
with „subscribe“ in the title.

WHY A QUEER WAGON PLACE? The wagon place is somewhere where we can attempt
to live out our queer ideals right now, in the midst of this fucked up
society of ours. By living together sustainably, working with the wider
community, building networks with other autonomous projects & living
queer; attempting to dissolve the borders of prejudice that divide us,
macho, hetero-normative, class and culture…The luxury of having so much
free space gives us scope for creativity, for building, imagining, &
planning for actions, & for living our sexuality, our difference,
& our autonomy here while we still can.

COME QUEER WITH US!
SCHWARZER KANAL BLEIBT!

http://www.schwarzerkanal.squat.net


UNSICHTBARKEIT VON TRANSGENDERN

Wir leben in einer Gesellschaft, welche die Annahme vertritt, es gäbe
nur zwei Geschlechter, und zwar „Frauen“ und „Männer“,
und alle Menschen könnten einem dieser beiden Geschlechter zugeordnet werden.
Andere Geschlechterkategorien werden dabei
nicht zugelassen. Intersexuelle gehören dabei ebenso wie sogenannte Transsexuelle
zu der Gruppe Menschen, die medizinisch als „krank“ abgestempelt
werden und in der öffentlichen Wahrnehmung immer noch dem Bild der exotischen
Perversion entsprechen. Es gibt jedoch eine Vielfalt geschlechtlicher
Ausdrucks- und Lebensweisen, die sich nicht in das Zweigeschlechtersystem von
„Frauen“ und „Männern“ einordnen lassen bzw. einordnen
lassen wollen. Viele dieser Menschen verstehen sich als Transgender. Einige
Transgender fühlen sich autentischer oder aber in der Konfrontation mit
ihrer Umwelt wohler, wenn sie ihren Körper mittels Hormonen ODER bzw. UND
chirurgischer Eingriffe ihrem empfundenen und gelebten Geschlecht anpassen.
Andere widerum lassen sich zwar AUCH nicht in das System von Zweigeschlechtlichkeit
einordnen, weichen jedoch in ihrer Identität und Lebensweise noch mehr
vom gängigen Bild der Transsexualität ab. Viele WOLLEN bzw. KÖNNEN
ihren Körper nicht anpassen, da ein „Dazwischen“ medizinisch
und gesellschaftlich gar nicht vorgesehen ist, mitgedacht wird oder akzeptiert
ist!
NICHT-transsexuell lebende Transgender werden bisher im gesellschaftlichen Leben
nicht wahrgenommen, wenn sie NICHT durch ein auffälliges Äußeres
von der sogenannten „Normalität“ abweichen. Ihre Bedürfnisse
bleiben bisher unberücksichtigt. Die Zahl transgeschlechtlich FÜHLENDER
Menschen liegt wesentlich höher als die Zahl der offen transgeschlechtlich
lebenden Menschen. Offen transgeschlechtlich zu leben bedeutet oft Ausgrenzung,
gewalttätige
Übergriffe und strukturelle Diskriminierung. In unserer Gesellschaft wird
im wahrsten Sinne des Wortes „mit aller Gewalt“ versucht, die heteronormative
Geschlechterordnung aufrechtzuerhalten.

Im konkreten Einzelfall werden Neugeborene in die Kategorien „weiblich“
und „männlich“ eingeordnet und bei sogenannten normabweichenden
Geschlechtsmerkmalen geschlechtsangleichende Operationen vorgenommen.
Darüber hinaus ist gesetzlich vorgeschrieben, dass Vornamen geschlechtseindeutig
zu sein haben.

Zwar wird spätestens seit den 80er Jahren in der Öffentlichkeit
der Begriff „Gender“, was „soziales Geschlecht“
bedeutet, als Abgrenzung von dem Begriff „Sex“ als biologisches
Geschlecht gebraucht. Dennoch vertreten selbst viele Menschen, die sich
mit dem Genderbegriff auseinandersetzen, immer noch die Auffassung, dass
Zweigeschlechtlichkeit „naturgegeben“ sei und die biologische
Basis für soziale Geschlechterrollen bildet.

Wir gehen heute auf die Straße, um die Vielfalt geschlechtlicher
Ausdrucks- und Lebensweisen sichtbar zu machen. Wir sind heute (unter
anderem) auch hier, um deutlich machen zu können, dass es viele Menschen
gibt, die ihren Körper nicht verändern, um den Erwartungen ihrer
Umwelt zu entsprechen und somit in der öffentlichen Wahrnehmung nicht
als Abweichung von der Zweigeschlechtlichen Normierung“ sichtbar
sind – und die DENNOCH existieren! Wir fordern eine zunehmende Akzeptanz
für die Selbstbestimmung von Menschen über ihren eigenen Körper
und ihre Identität !!! Als Grundlage für die Identität
SOLL dabei das GELEBTE und GEFÜHLTE Geschlecht anerkannt werden und
NICHT das bei der Geburt oder im späteren Leben fremdbestimmte ZUGEORDNETE
Geschlecht.

Laßt uns laut unseren Unmut über die herrschenden Geschlechterverhältnisse
zum Ausdruck bringen! Laßt nicht zu, dass uns vorgeschrieben wird,
wie wir zu leben haben!!!


Redebeitrag „InterQueerNetz
von Bleu Blanc Rose, Gladt und LesMigraS

Liebe Leute

In der Vergangenheit wurden wir “Gastarbeiter” genannt oder “Ausländerin”
– im Augenblick heißen wir “Migrantinnen und Migranten”.
Wir haben erfolgreich diese Namen getragen und dachten immer, dass wir so oder
so Teil dieser Gesellschaft sind. Wir hatten aber in sehr wenigen Bereichen
die Möglichkeit, an dieser Gesellschaft teilzuhaben. Damit ist jetzt Schluss!

Ja, wir haben das, was “Migrationshintergrund” genannt wird. Ja,
es gibt lesbische Migrantinnen, schwule Migranten, Migrantinnen und Migranten,
die transsexuell sind oder transgender. Vor allem sind wir aber Menschen dieses
Landes, wie alle anderen auch. Es gibt absolut keinen Grund, warum wir anders
behandelt werden sollten! Es gibt absolut keinen Grund, warum wir nicht gleichwertig
sein sollten! Aber wir werden anders behandelt.

Es gibt extra Gesetze für die so genannten Ausländervereine, Menschen
werden abgeschoben, obwohl sie hier geboren sind und nie in einem anderen Land
gelebt haben. Es gibt Diskussionen und Medienberichte, in denen wir pauschal
als Problemverursacher gesehen werden, die sich einfach “integrieren”
sollen. Was auch immer das heißt. Es gibt eine so genannte Ausländerbehörde
– die einzige Behörde, die dem Namen nach für uns – in
der Praxis aber gegen uns arbeitet.

Egal, welchen Pass wir haben – oder ob wir überhaupt einen Pass
haben –
Egal, welchen Aufenthaltsstatus wir haben – oder ob wir keinen haben –
Egal, welches Geschlecht wir haben – oder ob wir keines haben –
Egal, welche Hautfarbe wir haben
Egal, ob wir einer Religion zugehören – oder ob wir keiner Religion
zugehören –
Egal, ob wir eine heterosexuelle arabische Transfrau sind oder ein bisexueller
Schwarzer Mann

Es gibt nur eine Gesellschaft – und in der leben wir alle gemeinsam.
Wir haben keinen Bock auf Rassismus und Diskriminierung,
Egal, ob sie von Heterosexuellen oder von Homosexuellen kommen.

Wir sind das InterQueerNetz.
Wir sind ist ein Zusammenschluss von Menschen und Gruppen, die gemeinsam für
eine solidarische Gesellschaft arbeiten – eine Gesellschaft ohne Rassismus,
Sexismus und Homophobie!


MACHT MIT! – AUFRUF TRANS-CSD 2008

Ich war mal Kind. Und als ich Kind war, dachte ich, dass man für Wasserski
abschüssige Seen braucht. Ich fragte mich, ob auch Hunde in Hundescheisse
treten, zumal sie doppelt so viel wie ein Mensch der Gefahr ausgesetzt
sind mit ihren vier Pfoten. Aber jetzt bin ich groß: und das ist
toll. Denn das heißt nicht nur, dass ich jeden Morgen selber aussuchen
darf, was ich anziehe. Nein, erwachsen sein heißt auch – sollte
heißen – dass man über sich selbst bestimmen kann. Erwachsen
sein heißt, dass man mit groß geöffneten Augen durch
die Welt geht: Seht, dass wir heute hier versammelt sind, zeigt, dass
wir, um klarer zu sehen, keine Vokale kaufen brauchen wie beim Glücksrad!
Wir wollen die Welt hinterfragen, und wir werden uns mit den Antworten,
die uns gegeben werden, nicht ohne weiteres zufrieden geben.

Und nicht zuletzt heißt erwachsen sein, dass jede/r den Transgenialen
CSD mitorganisieren kann! Ist das nicht toll? Wie wir in unserem Aufruf
gesagt haben, ist es zum Kotzen, dass es uns immer noch geben muss! Wir
wollen keinen Transgenialen CSD mehr! Aber solange es G8, G.walt, G.winnsucht,
G.schlechtsdiktate gibt, geben wir keine Ruhe! Arm sein, das ist nicht
verhungern oder verdursten, arm sein, das ist an sich nicht mehr glauben,
an diejenigen nicht mehr glauben, von denen man dachte, sie könnten
uns retten. Ich glaube an uns, ich glaube an die erstaunliche Kraft des
Menschen.

Auch wenn in Frankreich ein Scheisskerl an die Macht gekommen ist, habe
ich Hoffnung: Vielleicht kann man ja überleben, wenn man in einem
abstürzenden Fahrstuhl genau in dem Augenblick in die Luft springt,
in dem die Kabine auf dem Boden aufknallt?!

Jetzt, kommt, beteiligt euch, der Transgenialen CSD lebt von allen, die
ihn gestalten! Besucht unsere Webseite (www. transgenialercsd.de, unter
Kontakt könnt ihr euch an uns wenden), oder guckt in die Siegessäule
oder in den Stressfaktor, da erfahrt ihr, wann und wo wir uns treffen.
Glaubt mir, trotz alledem macht Widerstand verdammt Spaß, und das
ist aufregend. Denn wenn wir viele viele viele sind, werden wir eines
Tages vermutlich einen Hybridvogel schaffen: eine Brieftaube gekreuzt
mit einem Papagei, damit er, wenn er unterwegs sich verfliegt, nach dem
Weg fragen kann. Ich glaube daran. Bis ich sterbe werde ich daran glauben.

V.i.S.d.P Céline Robinet 2007


TransInterQueer e.V.

TransInterQueer (kurz: TrIQ e.V.) ist ein junger Berliner Verein von und für
transgeschlechtliche, intergeschlechtliche und queer lebende Menschen.
Wir haben TrIQ im September 2006 gegründet, um der ständig wachsenden
Anzahl der trans- und intergeschlechtlichen Personen in Berlin eine dringend
benötigte Beratungs- und Anlaufstelle zu bieten.

Zentral ist ein nicht-pathologisierender und nicht-exotisierender Ansatz in
Bezug auf Aufklärung, Beratung und Forschung von und mit trans- und intergeschlechtlichen
Menschen.

Unsere Ziele und Grundsätze:

• Emanzipation, Selbstbestimmung und gleichberechtigte gesellschaftliche
Teilhabe für trans- und intergeschlechtliche sowie queer lebende Menschen.

• Abbau von Diskriminierungen, Pathologisierung und Exotisierung.
• Verbesserte Sichtbarkeit und Akzeptanz von bislang tabuisierten „abweichenden“
Geschlechtlichkeiten und Sexualitäten.
• Bereicherung der Gesellschaft durch ein erweitertes Spektrum möglicher
Lebensentwürfe und Ausdrucksweisen von Geschlecht (gender expressions).

Wir bieten:

Peer-Beratung durch geschulte Ehrenamtler_innen per Telefon, per e-mail und
persönlich.

Gruppen: TIA M, Transmänner&Genderboys, Weder*Noch*, Zwittercafe

Bildungs-und Aufklärungsarbeit in Form von Vorträgen, Seminaren und
Abendveranstaltungen. Die jährliche bundesweite Transgendertagung werden
wir zusammen mit dem Transgendernetzwerk Berlin (www.tgnb.de)
auch 2007 fortführen. (www.transtagung.tk)

Wir planen:

Professionelle psychosoziale Beratung für Betroffene und Angehörige

Information zu rechtlichen und medizinischen Möglichkeiten, gesundheitlichen
Risiken, deutschlandweiten Anlaufstellen, Fachleuten und weiteren relevanten
Themen.

Medienbibliothek zum Thema Transgeschlechtlichkeit und Intergeschlechtlichkeit
(u.a. Pflege des umfassenden Archivs zum Thema Intergeschlechtlichkeit von „1-0-1
intersex“ (einer 2005 in der NGBK Berlin realisierten Ausstellung zu Intersexualität).

Weitere Gruppenangebote für die Bereiche Coming-Out, Selbsthilfe, Gesundheitsförderung
etc.

Kontakt:
TransInterQueer e.V.
c/o ABqueer e.V.
Sanderstr. 15
12047 Berlin
http://www.transinterqueer.org

Im Rahmen der klinischen „Diagnostizierung“ und „Behandlung“
kommt es immer wieder zu entwürdigenden und verfassungswidrigen körperlichen
und seelischen Übergriffen und Nötigungen von Trans- und Intergeschlechtlichen
Menschen. Menschenrechtsverletzungen gehen uns alle an. Bitte unterstützt
unsere Arbeit.


Transgender Europe (TGEU.net)

Transgender Europe ist eine in diesem Jahr gegründete Organisation mit
Sitz in Wien. Wir setzen uns für die Rechte von Transmenschen in Europa
ein und versuchen, die verschiedenen Transgruppen, die in vielen europäischen
Ländern und Städten arbeiten, zu vernetzen. Sowohl Gruppen als auch
Personen können bei uns Mitglied werden (mehr Infos auf http://www.tgeu.net).

Europa wird hier in geographischen Grenzen gedacht, das heißt insbesondere
auch, dass wir über die Grenzen der Europäischen Union hinaus aktiv
sind und sein wollen. ‚Transmenschen‘ verstehen wir als möglichst weit
gefassten Oberbegriff, der alle Menschen einschließt, die nicht in dem
Geschlecht leben, das ihnen bei der Geburt zugeordnet worden ist. Dies umfasst
alle, die sich als Transgender, Transsexuelle, Cross Dresser und/oder Transvestiten
verstehen, aber auch die sich als no-gender oder gender queer verstehen.

Wir kämpfen für Emanzipation, Selbstbestimmung und Gleichberechtigung
für alle Transmenschen in Europa. Wir arbeiten, um der Diskriminierung
und Pathologisierung von Transmenschen entgegenzuwirken, und versuchen, die
Sichtbarkeit und Akzeptanz von Trans-Lebensweisen zu verbessern. Wir verstehen
Geschlechtervielfalt als integralen Bestandteil unserer Gesellschaft.

In einer jüngst in England veröffentlichten Studie wurde deutlich,
dass die Situation von Transmenschen geradezu katastrophal ist. Jeder
dritte Transmensch hat im Erwachsenenalter schon mindestens einmal versucht,
sich das Leben zu nehmen, jeder fünfte versucht es mehrmals. 25%
der Transmenschen wird der Besuch der als richtig empfundenen Toilette
am Arbeitsplatz verboten. Über die Hälfte der Transmenschen,
die noch zur Schule gehen, werden durch Mitschüler_innen und Lehrer_innen
gehänselt, diskriminiert und ausgegrenzt.
Dies macht sehr deutlich, dass noch viel Arbeit vor uns liegt, denn Großbritannien
gehört zu den Ländern mit der fortschrittlichsten Transgesetzgebung
überhaupt.

Daher fordern wir:

1. Das Recht für jeden Menschen, den eigenen Vornamen frei zu wählen.
2. Das Recht, den Geschlechtseintrag in sämtlichen offiziellen Dokumenten
in das bevorzugte oder empfundene Geschlecht ändern zu können. Dies
muss ohne die Voraussetzung von geschlechtsangleichenden Operationen, Hormoneinnahme,
psychoterapeutischer Behandlung oder Begutachtung, einer Diagnose „Transsexualität“,
Sterilisation oder Scheidung möglich sein.
3. Die Miteinbeziehung von Transmenschen in die Antidiskriminierungsgesetzgebung
sowie deren Berücksichtigung in allen europäischen Verträgen
und Direktiven.
4. Die Anerkennung der Rechte und Bedürfnisse von Trans-Familien.
5. Das Recht, als Patient_in die behandelnden Mediziner_innen innerhalb der
Europäischen Union frei wählen zu können.
6. Politisches Asyl für all diejenigen, die in ihren Heimatländern
aufgrund ihrer Geschlechts- oder sexuellen Identität verfolgt werden.

Zu guter Letzt möchte ich noch den „Second European Transgender
Council“ ankündigen. Dieser wird in diesem Jahr vom 15. bis zum 18.
November in Turin (Italien) stattfinden. Dieses Wochenende also schon mal rot
im Kalender anstreichen und frei halten. Nähere Infos gibt es auf unserer
Website. Jede_r der/die sich gerne auf einer inhaltichen oder Organisatorischen
Ebene einbringen möchte ist herzlich willkommen.

Website: www.tgeu.net
mail: tgeurope(at)tgeu.net


Wigstöckel – Transgender United

Wigstöckel – Transgender United ist ein Forum für alle Menschen, die sich über
transgender und unterschiedliche Inszenierungen von Geschlecht austauschen
möchten. Es geht zurück auf eine Initiative der New Yorker Drag
Queen Lady Bunny, die Mitte der 80er Jahre in New York in Anlehnung an
Woodstock ein Benefiz-Event mit dem Titel „Wigstock“ gründete.
Dabei ging es darum, mit einer großen Show und anschließenden
Party einmal im Jahr sich selbst zu feiern und damit Präsenz zu zeigen,
aber auch Vorurteile und Berührungsängste abzubauen und jedem,
der mal in Frauenkleidern ausgehen wollte, dazu zu ermutigen.

Im Sommer 1996 brauchte Gérôme Castell diese Idee unter
dem Namen „Wigstöckel“ („Wig“ engl. Für
„Perücke“ und „Stöckel“ für weibliche
Damenschuhmoden) nach Deutschland. Inzwischen ist Wigstöckel zunächst
ein jährliches großes Event, bei dem alle möglichen Transleute
mit und ohne Operationen, Kings und Queens, Inbetweens und Menschen, die
an Transgender -Themen interessiert sind, gemeinsam eine Show mit anschließender
Party auf die Beine stellen. Darüber hinaus organisiert Wigstöckel
weitere Veranstaltungen wie Werkstätten mit unterschiedlichen Arbeitsschwerpunkten
(z. B. Gesang oder Schauspiel) und Talks, also Diskussionsrunden zu unterschiedlichen
Themen wie z.B. zur Sichtbarkeit von Transgender in den Medien. Zu Wigstöckel
gehören außerdem der Walk of Fame als Galerie von verstorbenen
Transgender-Persönlichkeiten, die Organisation des Transgender-Rememerance-Day
und einer Open Stage, als Forum für neue Transgender, die ihre Ideen
und Vorstellungen zu Trans-Themen auf der Bühne präsentieren
wollen.

Wigstöckel beteiligt sich an Veranstaltungen wie
dem Transgenialen CSD und dem Hoffest der AHA und hat enge Verbindungen
zum TransGenderNetzwerk Berlin und dem Verein TransInterQueer.

Bei allen Aktivitäten von Wigstöckel geht es darum, einen
Raum für die Auseinandersetzung mit transgender zu schaffen. Sie
sollen außerdem der Sichtbarkeit von Transgendermenschen in der
Öffentlichkeit dienen, im zweigeschlechtlichen Mainstream sowohl
der Hetero-Gesellschaft, wie auch in der Homo-Szene.

Ihr seid herzlich eingeladen mitzuwirken: beim basisdemokratischen Plenum,
beim Orga-Team, beim Verein… Informiert Euch auf der Homepage (www.wigstoeckel.com)
oder schreibt uns eine Mail (team
(at) wigstoeckel.com
). Kommt zum offenen Plenum (in der Regel jeden
1. und 3. Montag im Monat um 19.30 Uhr in der Räumen der AHA-Berlin,
Mehringdamm 61 (über dem Schwulen Museum).

Macht mit! Wir freuen uns auf Euch!

Nächste Wigstöckel-Termine:

30.07. Talk „Zur Zukunft der CSD-Hoheit“. 19:30 in der AHA,
Mehringdamm 61

http://www.wigstoeckel.com/termine


DYKE TRANS MARCH 2007

Am 11.08.2007 findet der Dyke-Trans- March durch Kreuzberg und Neukölln
statt. Abends wird es eine große Party mit Performances, Bands und verschiedenen
DJs geben. Bis zum 11.8.2007 laden wir herzlich ein, an unseren Orga-Treffen
teilzunehmen, die immer Mittwochs abwechselnd in der Friedelstr. 54 oder im
AB Queer (Sanderstr 15) stattfinden.

Vorläufige Website: www.myspace.com/
dyketransmarchberlin
.


MAEDCHENBLOG

egal, ob du dich als mädchen fühlst oder nicht, herzlich willkommen
beim neuen mädchenblog!

das mädchenblog soll ein gemeinschaftsprojekt werden, in antwort auf das,
was “normale” mädchenzeitschriften immer predigen. hier soll
der platz sein, um themen wie körper, beziehungen, sexualität und
freundschaft, psychologie, (sub- )kultur, politik, schule und ausbildung zu
verhandeln und in ein neues licht zu stellen. einfach anfangen, ohne bereits
zwanzig texte geschrieben zu haben, lautet die devise.

das mädchenblog soll davon leben, dass ganz viele mit schreiben. es ist
ein offenes projekt, und du bist eingeladen, ein teil davon zu werden! du kannst
einfach kommentare schreiben, oder du schreibst eine e-mail an das mädchenblog,
um dich als autor_in zu registrieren.

http://maedchenblog.blogsport.de


Redebeitrag der AG Schwule Lehrer
der GEW Berlin

„Schwule Sau! Schwule Sau! Schwule Sau!“

Schwul ist auf dem Schulhof immer noch das häufigste Schimpfwort!
Vielleicht kennt Ihr das noch aus der eigenen Schulzeit!?
Und wie reagieren die Lehrerinnen und Lehrer auf homophobe Äußerungen
auf dem Schulhof und im Klassenzimmer?
Ein großer Teil ignoriert und überhört sie oder hat erst
gar keine Wahrnehmung dafür. Andere fühlen sich überfordert
und nicht befähigt, dieses „heiße Eisen“ zu thematisieren.
Ursache dafür ist die unzulängliche Ausbildung während
des Studiums und des Referendariats, auch gibt es ein Weiterbildungsdefizit
der Fortbildungseinrichtungen für Lehrkräfte. Nur wenige Lehrerinnen
und Lehrer fühlen sich fachlich und persönlich in der Lage,
souverän und offen mit der Klasse über Homosexualität zu
sprechen. Und noch viel katastrophaler sieht es bei dem Thema Transsexualität
aus.

Die Vorstellung vieler Lehrerinnen und Lehrer, dass in der eigenen Klasse
eine Schülerin oder ein Schüler dabei ist, und sich keinem Geschlecht
zuordnen will oder sogar dem jeweils anderen, das ist für die meisten
Lehrer die reinste Horrorvorstellung.

Wir, die Arbeitsgruppe schwuler Lehrer der GEW (Gewerkschaft Erziehung und
Wissenschaft) Berlin setzen uns dafür ein, diese Situation zu verändern.

Deshalb fordern wir:

1. Sexualerziehung gehört nicht nur in den Biologieunterricht!
2. Die Themen Homosexualität, Bisexualität und Transsexualität/Transgender
müssen verbindlich in die Rahmenlehrpläne aufgenommen werden.
3. Lehrkräfte müssen schon im Studium und im Referendariat mit der
Thematik vertraut werden, denn dies wird ihr zukünftiger Alltag!
4. Lehrkräfte müssen in diesen Themen Fortbildungen wahrnehmen können!

Alle Aussagen von lesbischen Schülerinnen und schwulen Schülern in
allen Befragungen der letzten Jahre belegen, dass im Unterricht das Thema Homosexualität
selten oder fast nie vorkam. Ob das Thema Transsexualität vorkam hat man
schon gar nicht mehr gefragt!
Und noch immer ist die Selbstmordrate homosexueller Jugendlicher viermal höher
als die heterosexueller.
Das reicht!
Wir kämpfen weiter für die oben genannten Forderungen.
Dies sind wir allen Kindern und Jugendlichen, die anders sind als andere, schuldig.

Wenn ihr mehr über unsere Arbeit wissen wollt, dann schaut auf unserer
HP www.schwuleLehrer.de.

Vielen Dank für Eure Aufmerksamkeit!


GAUNER-REDE

Meine sehr verkehrten Darminternen, werte Abgeordnete, ich bitte um Aufmerksamkeit
für mein Gerede. Ich möchte mich heute einmal aussprechen. Und zwar
gegen eine weitere Erhöhung der tariflich festgelegten Hundelöhne.

In diesem Punkt, liebe Kollegen von der Opposition, bin ich ganz meiner Meinung!
Es gab ja dahingehend bisher von unserer Seite auch schon wirklich ziellose
Vorschläge. Aber, wir müssen nicht nur Steuern auf, sondern vor allem
auch anheben, und auch mal für das, was die Menschen wirklich wollen, eine
Gebühr entwickeln. Am meisten leiden doch die Millionen Arbeitshosen unter
der Kürzung. Sie müssen einmal der Wahrheit ins Auge fassen und zudrücken:
wie kommt es denn, dass der Prozentsatz der Arbeitslosen gerade unter den ALG-II-Empfängern
dermaßen hoch ist? Nicht, dass Sie mich da richtig verstehen: Wir brauchen
wieder mehr Verständnis für die Bedürfnisse des kleinen Mannes
im Ohr.

Es ist manchmal gar nicht so leicht, für den einfachen Wähler auf
der Straße die geleugneten Worte zu finden. Ich stammle doch selbst daher,
und gerade wir Lamentarier müssen uns da endlich mal ein paar Konsequenzen
entziehen. Wir dürfen nicht vergessen: wir Politiker sind nur eine kleine
Handpuppe der Gesellschaften und geben doch auch nur unseren Lobbys nach. Ich
kann also nur das sagen, was die Wirtschaft mir vorgibt. Und uns Besserverdiener
betrifft die Finanzpolitik doch ebenso, wir sind doch mit Klasse 1 unbeschränkt
steuerflüchtig. Und da bin ich auch gerne bereit, meinen Fehlern und Fehlerinnen
gegenüber jede Rechenschaft abzulehnen, so wahr ich hier stehe und Gott
heiße.

Meine nahen und fernen Abgeordneten, ich möchte Sie nicht länger
langweilen, aber doch noch ein bisschen. Auf folgenden Fakt eingehen: seit der
bayrische Ministerpräsident, der sehr geschätzte Haarsträuber
und sein Landeskabarett vereidigt wurden, gab es in Bayern sage und schreibe
70% weniger Wirtschaftskriminalität. Und das, liebe Volksabtreter, liegt
nur daran, dass wir die führenden Köpfe der Wirtschaft ins Kabinett
geholt haben, so sieht eine korpulente Landesregierung aus. Ich möchte
auch gern meine Redezeit verschwenden, um mit Ihnen zum Thema Arbeitsmarkt noch
ein paar Worte zu verwechseln. Ich darf die Sachlage mal kurz verklären:
Wir haben jetzt den Ballast von 5 Melonen zu tragen, da verstehen Sie sicher,
wenn ich sage: Wir brauchen ein Rückgrat für mehr Stabilität
im Innern. Wir werden in der neuen Regierung nicht nur diese ganze Zahl der
Arbeitslosen erniedrigen, sondern auch ihre Sozialleistungen mindestens dreifach
verhöhnen! Und das, meine Darminternen, erreichen wir nur, indem wir endlich
auch mal unsere Einkommen und Spesenbezüge verniedlichen! Die enorme Kostenexplosion
hängt doch nur am sozialen Fangnetz. Und damit müssen wir es dann
auch belasten.

Doch zurück zu den Artefakten: Herr Dr. Kohl ist das überwiegende
Problem der CDU – nicht der unhaltbare Zustand in den eigenen Zweireihern!?
Es geht hier um die Förderung unserer Privatwirtschaft, deshalb geben
Sie doch wenigstens uns die Samen der Spender, damit unsere politische
Arbeit wieder Früchte trägt.

Liebe Artgenossen, unsere Politik war schon immer und für jedermann kurzsichtig.
Es ist letztendlich einzig und allein unsere CDU/CSU-Fraktur, die zu ihren gesprochenen
Verbrechen auch steht. Jeder, der ein bisschen Gips und Verband im Topf hat,
kann doch auf Anhieb kaschieren, daß hier etwas faul ist.

Und da half es Ihnen auch nicht, liebe Herren von rot-grün, als Sie unseren
Genossen März sogar namentlich zitierten in ihrem Kalender 20.10. Deshalb
gibt es von mir wie auch schon in den Sanierungsgesprächen ein deutliches
und entschlossenes JEIN zu dieser Politik des sozialen Karlmarx. Es seien doch
wohl auch mal andere Ideen bestattet. Ich verweise hier auf unseren Gegenantrag,
meine armen Laternen, und ich denke, ich brauche diesen Geschwätz- Entwurf
nicht noch erläutern! Lassen Sie mich aber noch eine kleine Sache hinzulügen:
Auch in der Frage der Gesundheitspolitik haben wir ein Problem, ich darf da
einmal kapitulieren: Durch die Einführung der Praxisgebühr wurden
doch nicht nur Ärzte und Psychoterrorpeuten stärker belästigt,
sondern vor allem die Arzthelfer und Arzthelfershelfer und deren Hilfsmitarbeiter.
Die müssen für ihre Arbeit auch mal einen anständigen Hohn bekommen.
Wenn wir an diesem Punkt nicht bald mal die Kurve kratzen, dann ist es zu spät.

Meine werten Rollläden, ein ganz alter Karteifreund von mir hat einmal
gesagt: Wir müssen unsere Wähler auf ihrem Kreuz festnageln, und das
müssen auch Sie endlich mal karikieren, meine Herren von der Presse. Ich
bin ganz Ihrer Meinung, also bilden Sie sich bitte eine. Meine lieben Besinnungsgenossen,
versetzen Sie sich doch mal in Ihre Lage! Bei allem, was rechts ist, auch und
gerade die CSU muss einmal dringend teilhaben an der Bildung – der Regierung.
Das haben doch die meisten ihrer Mitglieder bisher noch nie – Liebe genossen.
Aber lassen Sie sich von mir nicht aufhalsen.

Zu guter Letzt nur noch ein Wortbruch zur Umweltpolitik: Herr Trittin, mit
Ihren paar Vorschlägen zur Windkraft ist es nicht getan, so leicht können
Sie sich nicht aus der Atmosphäre ziehen. Wir brauchen endlich eine hinterhältige
Unwelt- und Agrarpolitik, damit auch unsere Rinder und Rindesrinder noch etwas
davon haben.

Also, meine dämlichen Herren, um es noch einmal zusammenzufaseln: Angesichts
dieser Schieflage kann ich nur noch mein Übliches tun, damit unser Land
endlich nicht mehr Schlusslicht ist. Damit bin ich am Ende. meiner Aussparungen,
so wahr ich Gott helfe.

www.gauner.de


QUEERS GEGEN G8

# Es geht nicht darum, die G8 zu bitten ob sie was gegen Armut tun; wir stellen
das ganze System in Frage. Zum Einen, das System ist offensichtlich ausbeuterisch,
unfair, zerstörerisch und instabil; Zum Anderen, die acht Leute (überwiegend
Männer), die die G8 Nationen vertreten, sollen nicht diejenigen sein, die
das zu entscheiden haben. Wobei nicht all so viel dort entschieden wird –
der Gipfel ist ja eher ein Fototermin und unsere Regierende haben das Spätkapitalismus
kaum im Griff, sind selbst von der Globalisierung überrumpelt.

# Immigranten: „Wir sind hier weil ihr unsere Länder zerstört
habt“. Die G8 Nationen sollen doch Verantwortung nehmen für
die Armut, Elend, Gewalt und Umweltzerstörung die sie ausgelöst
haben, statt Zäune zu bauen und Grenze zu verdichten.

# Queer bedeutet für uns vielleicht nicht das was alle darunter
verstehen, z. B. die Siegessäule. Als Gesamtbegriff für Schwul-lesbisch-bi-trans-intersex
ist das Wort praktisch, bedeutet aber ferner: weg von der binären
Einteilung Homo/ Hetero Mann/Frau, Vielfalt betonen, Unterschiede fordern
und die undefinierte Zwischenräume anerkennen, z.B. wenn ich (als
Lesbe) mit einem Trans-mann zusammen bin, werde ich dann doch Hetera?
Ursprünglich (San Fran im spät 80er) sollte „Queer“
darauf weisen, das westliche Schwul/Lesbische Kultur nur eine globale
Erscheinungs- und Ausdrucksform von sexuelle Minderheiten ist; in viele
Länder nimmt sexuelle Vielfalt andere Formen.

Wie oft betont war schwul-lesbische Kultur früher
radikaler und ist jetzt sehr kommerziell; es gab mal eine Selbstverständnis
unter Homos und Lesben von links sein, und von hetero Linker werden wir
teilweise als auch unterstützt.

Jetzt herrscht Konsumverhältnis in der Szene, etwa wie überall.
Queer bedeutet für uns, dass man selbst bestimmte, nicht Kommerzielle
Freiräume und Kultur baut, es bedeutet eine re-politisierung von
sexuelle Unterschied, ein stolzes anders Sein, nicht brave Integrierung
in einem System, das wir verkehrt finden. Unsere Freiräume und alternative
Kultur werden gerade weggedrängt, schließlich durch genau die
selben Neoliberalismus, das Welt-weit alles kaputt macht, und gegen dem
Tausende jetzt protestieren. Der/die/das Queer Barrio, und die queere
Anti-G8 Mobilisierung bildet eben so eine Freiraum, ein Platz, bzw eine
Gruppierung wo Queers sich treffen, kennen lernen, austauschen und wohl
fühlen können.

Pressestimmen

Mit Superhelden gegen Homophobie: Neues Deutschland v. 21.06.2007

Nationalflaggen und Parteisymbole auf Demos: Indymedia

Homos, helau: Junge Welt v. 23.06.2007

Prozess

Prozess wegen Vemummung auf Berliner CSD! – Freispruch!

Der Prozess endete mit einem Freispruch! Das Gericht verzichtete nach der abgebenen politischen
Erklärung darauf, ZeugInnen anzuhören. Der Saal war zu klein für die vielen, die zuhören wollten, so dass einige draußen bleiben mussten. Dank an alle, die da waren, ihr wart super! Die Anklage war auch zu absurd: Ausgerechnet die Moderatorin der Demo, die auf der Demo die ganze Zeit für alle sicht- und erkennbar war, sollte sich vermummen, um dann Straftaten zu begehen? Der Richter gestand allerdings unserer Moderatorin einen „Prominenten-Bonus“ zu – d. h. in anderen Fällen werden Verstöße gegen das Vermummungsverbot weiter verfolgt, dass bloß jetzt keine_r denkt, er/sie könnte auch…🙂

Bericht auf Indymedia

Artikel in der TAZ

Artikel im Neuen Deutschland

Bericht im Stern

Prozess gegen Moderatorin des Kreuzberger CSD 2007!!!
Der Termin ist jetzt am: Donnerstag, 3. April 2008, 9.00 Uhr, Amtsgericht Tiergarten, Turmstraße 91, 10 559 Berlin, Saal 768

Am 3. April 2008 wird vor dem Amtsgericht Tiergarten der Prozess gegen eine Moderatorin eröffnet, die im Rahmen des Transgenialen CSD (TCSD) Kreuzberg-Friedrichshain 2007 auf der Bühne stand.

Im Jahr 2007 haben BeamtInnen der 23. Einsatzhundertschaft der Berliner Polizei den TCSD massiv schikaniert. Sie versuchten, Menschen einzuschüchtern und die Demonstration in ihrem Ablauf zu behindern. Es kam zu Festnahmen, Rangeleien, gewalttätigen Übergriffen und Anzeigen. Eine Anzeige wird jetzt einen Prozess zur Folge haben. Der Vorwurf lautet auf Vermummung der Moderation während der Demonstration. Wer schon mal eine CSD-Demo gesehen hat, weiß, wie absurd es ist, einer teilnehmenden Person Vermummung vorzuwerfen. Der Strafbefehl beläuft sich auf 300,- Euro, den wir als TCSD-Bündnis nicht akzeptieren.

Wir werden den Prozess nutzen, um Öffentlichkeit gegen Vermummungsverbot, staatliche Repression und homophobe Schikane durch PolizeibeamtInnen herzustellen.

Zum Hergang: Eine Person, die an der Demonstration teilnahm, wurde von PolizeibeamtInnen entführt, weil sie einen hautfarbenen BH im Gesicht trug. Der Busenhalter wurde beschlagnahmt. Aus Solidarität hatten sich die Moderatorinnen „Pony“ und „Kleid“ vermummelt mit mitgeführten Fetischmasken.

Vor Beginn des Prozesses laden wir um 8.15 Uhr zu einem Pressegespräch und Fotoshooting vor das Amtsgericht Tiergarten, Turmstraße 91.

Mit freundlichen Grüßen

Prozessgruppe TCSD

Der wunderbare 10te Transgeniale CSD Berlin und die boshafte Polizei

Ein Bericht

Der Transgeniale CSD (TCSD) Berlin bleibt eine wundersame Blüte und politische Provokation zugleich; als rosa Stachel im Gesäß des mittlerweile, etablierten, kommerziellen und verblödeten CSD.

Klein aber gemein machte sich vom „Kosmos“ in Berlin Friedrichshain der 10te Transgeniale CSD Richtung Kreuzberg auf den Weg. Zuvor aber wurde unter anderem der Anlass des Ortes des TCSD´s mit Redebeiträgen gewürdigt, denn an dem Auftaktort der Demo wurden vor einem halben Jahr einige Menschen von Schwulenhassern verprügelt. Auf der Flucht vor der Überzahl prügelnder Jungmänner wurden die Freunde von der Polizei überfallen und gegen sie Anzeige wegen Körperverletzung erhoben. Die alarmierten Sanitäter waren nicht in der Lage, die Verletzungen unserer Freunde wie Gehirnerschütterungen und einen Mittelhandknochenbruch zu erkennen und zu behandeln. Statt die homophoben Angreifer einzukassieren, wurden die Freunde in die Gefangenensammelstelle verfrachtet und erkennungsdienstlich behandelt.

Als wolle die Polizei daran anknüpfen, versuchte die 23te Einsatzhundertschaft (EHu) mehrfach, TeilnehmerInnen des TSCD körperlich anzugreifen und kassierte im Verlaufe der Demo und Kundgebung zwei Menschen kurzzeitig zur Peronalienfeststellung ein. Diese Einheit gehört den in Berlin unbeliebten Polizeieinheiten, deren Handeln politisch motiviert ist. Ihre Kollegen, die 25teEHu, die bei der Entstehung des damaligen Transgenialen CSD einige schwere Schlappen einstecken musste, wurde ja angeblich aus Heiligendamm abgezogen, weil sie einfach zu Scheiße war. Die Moderation am Kosmos beschrieb genüsslich, wie vor 10 Jahren der durch den CSD-Betreiber am Kudamm ausgeschlossene legendäre Rattenwagen konsequent und militant durch Schwule, Lesben und Transgender gegen die Polizei geschützt, verteidigt und befreit werden konnte. Hilflos, ohne eine Festnahme, mussten die Beamten zusehen, daß die so dumm und harmlos geglaubten Lesben und Schwulen ihren Wagen in Sicherheit brachten und zu 200-300 Leuten umringten und nach Kreuzberg brachten. Die Geburtstunde des TCSD.

Wir waren mit unserer Demo auf der Karl-Murx-Allee noch nicht weit gekommen, da setzte die Polizei bereits ein Fahrzeug fest und nahmen eine Person in Gewahrsam, weil sie keine Papiere dabei hatte. Die Person wurde auf den Boden geworfen, Handschellen angelegt und in ein Polizeifahrzeug verbracht. Dort wurde sie nochmals durch einen Beamten einmal ins Gesicht geschlagen.
Für uns war klar: jeder Angriff auf eine Person ist ein Angriff auf die ganze Demo und so blieb die Wanne (Polizeitransporter) in Gewahrsam der DemoteilnehmerInnen, bis die Person nach einer Stunde ungefähr wieder rauskam und der Demozug durchnässt, aber guter Dinge weiterzog (Hier gäbe es unsererseits auch einige selbstkritische Anmerkungen zu machen, doch ohne vorherige Diskussion in der Orgagruppe verkneift sich dieser Beitrag eine Kritik an dem Charakter einiger Durchsagen am unmittelbaren Ort des Geschehens).

Die Person bedankt sich recht herzlich bei allen TeilnehmerInnen, die den Wagen an einer möglichen Abfahrt hinderten.

Nach dieser Erfahrung mit der Geschlossenheit der Demo zog es die beleidigte 23te vor, die weiteren Personalienfeststellungen einem Kidnapping gleich zu gestalten und mit ihren Wannen schnell außer Reichweite möglicher Solidarisierungsprozesse und Befreiungsversuche zu kommen. Dazu gleich mehr.

Das Wetter wurde wieder schön und am „Schwarzen Kanal“ wurden einige Beiträge zur Bedrohung der Wagenburg selbst und des in der Nähe liegenden Kultur-Kampf-und-Wohnprojektes „KÖPI“ und dem Investorenterror entlang der Spree gehalten. „Medaispree“ wurde einmal mehr als Projekt der Vertreibung und der Mächtigen denunziert. Von einem leerstehenden Gebäude wurde ein riesiges Transparent zum Erhalt der Wagenburg entrollt und eine Liveperformance auf dem Dach warb für die queere Rebellion.

Die Polizei war sich nicht zu blöd, eine Person abzugreifen, der sie Vermummung vorwarf und brachte sich mit der abgegriffenen Person vor unserer Wut in Sicherheit. Der Vorwurf: Sie hätte sich mit einem BeHa (BH) vor dem Gesicht vermummt. Vor soviel Dummheit, gepaart mit Humorlosigkeit und Bösartigkeit, zieht selbst die Schutzheilige des TCSD ihre Perücke und versprach uns, die Einheit mit der Rosa Hölle zu bestrafen.

Die Person wurde nach Feststellung der Personalien freigelassen und musste sich einen Ersatz für den beschlagnahmten „hautfarbenen Büstenhalter“ besorgen.

Mittlerweile wuchs der Zug auf 800-1000 Menschen und erreichte Kreuzberg. Ein kleines Blöckchen ( in der Form ganz neu ) von Lesben mit Kinderwagen (in dem auch viele echte Kinder waren) reihte sich direkt hinter dem „Schwarzen Block“ ein. Der kam schon in Friedrichhain dazu und wurde von dem Freundeskreis der homosexuellen Ratten und Rättinnen gezogen. Bei seiner Ankunft beäugten die Beamten kritisch das große Gestell in Schwarz, was aber weder furzte, stank noch knallte. Also durfte es teilnehmen. Der diesjährige TSCD wurde also vom legendären Schwarzen Block angeführt, unter dem Motto „Ob tunt, ob bunt, wir sind alle 129a.“

Damit wurde sich auf die durchsuchten Wohnungen und die plumpen Spaltungsversuche während des G8-Gipfels gegen militante Aktionen bezogen.

Am Waldemarkiez gingen die Fenster entweder auf, und Frauen mit Kopftuch klatschten Beifall, oder aber zu, als ein in türkisch gehaltener Beitrag die Homophobie im Kiez benannte. Zur militanten Gegenwehr wurde ermuntert, da wir mit einem Anspruch auf ein Leben ohne Herrschaft schon selber unsere Interessen vertreten müssen und dies auf keinen Fall der Polizei überlassen können, gegen Homophobie einzuschreiten. Der jüngste Vorfall am „Kosmos“ machte das noch mal deutlich.

Ein Theaterprojekt mit 40 Jugendlichen aus Argentinien, Italien, Deutschland und Brasilien führte am O-Platz ein Stück gegen Homophobie auf. Solidarisierung und Menschlichkeit waren die Schlüsselbilder, die Ausgrenzungen zu durchbrechen in der Lage sind.

Und dann kamen wir an. Auf den Heinrichplatz. Und wieder eine Personalienfeststellung durch Beamte wegen angeblicher Behinderung beim Abfilmen von DemonstrationsteilnehmerInnen. Zuvor wurde die DemoteilnehmerIn bereits von Beamten unsanft geschupst.

Und dann: Bühnenshow und Redebeiträge. Und Redebeiträge und Bühnenshow. Und so weiter. Viel Trash. Viel Altbekanntes. Immer wieder schön. Auf jeden Fall für alle was dabei. Vielleicht mal wieder zu viele Redebeiträge. Vielleicht erschien es nur so, weil oft wurden sie zweisprachig gehalten. Das ist der Ausdruck des TSCD´s, der sich von Schwul-Lesbisch-Links über die Jahre zu Trans, SM und Queer erweitert hat und viele englischsprechende Menschen aus vielen Teilen der Erde anzuziehen beginnt. Bis 23.00 Uhr tobte die Bühne und tobte es vor der Bühne.

In all diesem Treiben wollte die 23te aber einfach das letzte Wort behalten, bevor sie ins Bett mußte und kontrollierte zwar in Uniform, aber in ihrer Absicht nicht erkennbar die O-Straße zwischen Adalbertstraße und Heinrichplatz, um, wie sich dann herausstellte, eine der vielen Moderatösen des Tages abzugreifen. Sie lungerten in Hauseingängen herum und gaben immer durch, wo die vermeintliche Moderation sich gerade hinbewegte. Am Ende der Straße – noch mitten im Straßenfest – wurde die Person von allen Seiten eingekreist. Wir wissen nicht, ob dies ein Einschüchterungsversuch, Rache für eine provokante und politisch offensive Moderation sein sollte, oder ob die Einheit was falsches ins Kraftfutter gemischt bekam. Auf jeden Fall wurde das Muster der „Personalienkontrolle“ wiederholt. Blitzschnell in die Wanne verfrachten, noch bevor sich eine Solidarisierung herstellen konnte, wurde die Person ein paar Blöcke weiter durchsucht und nix gefunden und dann fotografiert. Wieder der Vorwurf der Vermummung. Nach dem Übergriff musste auch diese Person wieder freigelassen werden.

Der TCSD war ein politischer Erfolg. Nicht so groß wie im letzten Jahr, aber ein besonderes Ereignis allemal. Politische Positionierungen unterschiedlichster Art. Keine Parteien, Nationalfahnen und Kommerz. Queere, schwule, lesbische, transsexuelle Kultur kommen in einer sehr schönen kosmopolitischen Mischung zusammen. Solange es Armut, Krieg, TransHomophobie und Frauenfeindlichkeit gibt und die Mitteyuppies und Medaispreeinvestoren, die glauben, den Kiez kaufen zu können, gehört ein TCSD zum alljährlichen Ereignis dazu.

Die Übergriffe seitens der Polizei sind in der Geschichte des TCSD einmalig. Die Gewalttätigkeiten beschränkten sich nicht auf die beschriebenen Ereignisse. Einer Frau wurde mit einem Protector-Handschuh zweimal, ohne jeden Grund und Zusammenhang, im Vorbeigehen ins Gesicht geschlagen. Ihre Anzeige hatte eine Gegenanzeige des Beamten zur Folge wegen Widerstand gegen die Staatsgewalt. Eine Tunte mit Fahne wurde mehrfach ohne jede plausible Begründung vom Mittelstreifen einer Straße geschubst. (Gibt es Fotos der Polizisten?).

Der Angriff auf die Moderation gegen Ende der Veranstaltung, die möglichst niemand mehr mitkriegen sollte (denn beschlossen war diese Aktion bereits gegen frühen Abend), war politisch motiviert und meinte die ganze Demo und Kundgebung. Der politische Wille und der Hunger nach einem anderen Leben und einer anderen Gesellschaft (jenseits all der Missstände, die uns weltweit umgeben) und der radikale Wille, dafür auch was zu tun, hat die Bullen angepisst.

In bisher uns unbekannter Weise hat sich die Polizei ständig fingerzeigend auf TeilnehmerInnen lustig und verächtlich gemacht. Ein derartiges penetrantes diskriminierendes Verhalten auf dem CSD ist uns neu gewesen. Die Polizei war in unerträglicherweise homophob und völlig fehl am Platz am Kampftage von Lesben,Schwulen, Queers und Transgender.

Jeder Angriff hat uns alle gemeint.

Wir sollten eine Vermummungsdemo mit dem aberwitzigsten Zeug anregen und, daß die O-Strasse beim TCSD künftig von Bullen radikal freigehalten wird. Welche Informationen gibt es zur 23ten EHu? Wollen wir wirklich erst bis zum nächsten Jahr warten, um uns wiederzusehen?

Dieser Beitrag gibt nur eine von vielen Sichtweisen wieder. Ergänze diesen Beitrag gerne.
Ihre Sternchensinger

Mitteilung für die Presse

Presse-AG des Transgenialen CSD 2007

Die Pressegruppe des Transgenialen CSD erhebt massive Kritik am Vorgehen der Berliner Polizei am vergangenen Samstag. Die den Zug begleitende 23. Einsatzhundertschaft störte permanent und massiv die Demonstration und diskriminierte Teilnehmer_innen durch Verächtlichmachungen.

Gleich zu Beginn wurde eine Person wegen fehlenden Führerscheins unverhältnismäßig hart angegriffen, zu Boden geworfen und mit angelegten Handschellen in ein Polizeifahrzeug gebracht. Dort wurde ihr noch von einem Beamten ins Gesicht geschlagen. Erst nach Ablauf einer Stunde kam sie frei. Auch auf Druck der Demonstrationsteilnehmer_innen, die das Fahrzeug umlagerten. Eine weitere Person, die mit einem um das Gesicht geschlungenen BH kostümiert war, wurde auf der Michaelkirchstraße wegen angeblicher Vermummung aus der Demonstration herausgeholt. Einer weiteren Person schlug ein Beamter ohne erkennbaren Grund zwei mal mit einem Protektorhandschuh ins Gesicht. Während der Abschlusskundgebung am Heinrichplatz wurden die Personalien einer Person festgestellt, die Stunden vorher angeblich durch das Schwenken einer Fahne das Filmen des Demonstrationszuges verhindert hatte. Gegen 23.30 Uhr wurde schließlich eine der Moderatorinnen aus der Menge der Feiernden herausgerissen, in ein Fahrzeug verbracht und einige Straßen weiter durchsucht und fotografiert.

Den ganzen Tag von Beginn der Demonstration an bis zum Ende der Abschlusskundgebung gegen 23 Uhr machten sich die Beamten fingerzeigend in verächtlicher und diskriminierender Weise über Teilnehmer_innen des TCSD lustig. Dies ist ein SKANDAL!
Für alle genannten Vorfälle gibt es Zeugen.

Wir fordern von der Polizeidirektion eine öffentliche Erklärung, warum der Transgeniale CSD von einer derart unsensiblen und homophoben Polizeieinheit begleitet wurde!
Wir fordern eine öffentlichen Entschuldigung der Berliner Polizei bei allen Teilnehmer_innen des TCSDs!
Wir verurteilen die polizeilichen Übergriffe und Provokationen!

Wir danken den ca. 1.000 Teilnehmer_innen für ihr besonnenes Verhalten und ihre Solidarität mit den vorläufig Festgenommenen und erklären, dass wir uns in unserer politischen Arbeit auch weiterhin nicht einschüchtern lassen.

Kreuzberg, den 27. Juni 2007, die Pressegruppe des TCSD