tCSD 2009

Transgenialer CSD 2009

Toleranz? Nein Danke! Glitter ohne Grenzen!

Wir hören Toleranzgefasel, hinter dem sich nackte Repression, Diskriminierung und Menschenfeindlichkeit verstecken. Gruppen von Menschen werden als Minderheiten außerhalb der Normalität definiert, herabgesetzt und gegeneinander ausgespielt. Bestenfalls werden sie gnädig „toleriert“ oder „akzeptiert“, denn „Normalität“ braucht Ausgrenzung. Das verdeckt nichts von der rassistischen, homophoben, transphoben, frauenfeindlichen Gewalt, der Ausgrenzung von nicht-„schönen“, nicht-jungen, nicht-reichen, nicht-weißen, behinderten, politisch unbequemen Menschen, die in dieser Gesellschaft – und leider auch innerhalb unserer Szenen – Alltag ist. Wir sehen die alltäglichen Gewalten in einem kranken, an der eigenen Profitgeilheit erstickenden System, das uns in die Krise stürzt, nichts als Ausschlüsse produziert und uns dann seine Toleranz vor die Füße kotzt.

Wir sagen Nein! zu Diskriminierung und Ausgrenzung!

Wir sagen Nein! zur Ökonomisierung der Bildung. ► Freier Zugang für alle!

Wir sagen Nein! zur Unbezahlbarmachung von Wohngebieten!

Wir sagen Nein! zu Abschiebeknästen. ► Kein Mensch ist illegal!

Wir sagen Nein! zur Ethnisierung von Kriminalität und Konflikten!

Wir sagen Nein! zur grenzenlosen Ausbeutung von Menschen und Ressourcen. ► Für die Abschaffung der alten Machtmechanismen (WTO, IWF, Weltbank) und internationale Gremien, die die Zerstörung der Erde vorantreiben!

Wir sagen Nein! zur Privatisierung öffentlicher Güter. ► Gesundheit, Wasser, Essen, Bildung für alle!

Wir sagen Nein! zur Heteronormativität. ► Für die Abschaffung der Zwei-Geschlechter-Ordnung! ► Gegen die Pathologisierung von Intersexuellen!

Wir sagen Nein! zu Rassismus! Wir sagen Nein! zu Antisemitismus! Wir sagen Nein! zu Sexismus! Wir sagen Nein! zu Antiziganismus! Wir sagen Nein! zu Homo- und Transphobie! ► Bildet Banden!

Für einen TRANSGENIALEN CSD 2009, den keine_r ignorieren kann!
Trotzen wir der Krise und werden laut:

Toleranz? Nein Danke! Glitter ohne Grenzen!

DEMO Samstag 27. Juni 2009 – Start: 14 Uhr Boxhagener Platz

Route: Simon-Dach-Straße, Revaler Straße, Warschauer Brücke, Skalitzer Straße, Kottbusser Tor, Adalbertstraße, Oranienstraße

Abschlusskundgebung: ca. 18 Uhr Heinrichplatz




Bushido bekommt Ärger bei Homosexuellen-Demo

Redebeiträge


Wir dokumentieren hier die Redebeiträge des Transgenialen CSD 2009; für die Inhalte sind die jeweils Vortragenden verantwortlich. Jegliche Haftung, insbesondere für eventuelle Schäden oder Konsequenzen, die durch die Nutzung der angebotenen Informationen entstehen, ist ausgeschlossen.

Redebeiträge

Redebeitrag von GLADT e.V.

Sevgili Kreuzberg sakinleri,

utanarak söylüyoruz ki, mahallemizde eşcinsel ve transseksüel düşmanlığı, ırkçılık, cinsiyetçilik daha görünür bir hale geliyor. En önemlisi artık neredeyse şiddetle yaşar hale geldik!

Es wird immer sichtbarer: Rassismus, Sexismus und die Angst vor Homophobie und Transphobie sind hier, mitten unter uns – Gewalt ist hier, mitten unter uns.

Berlin’de ayrımcılığın ve şiddetin hiçbir türüne göz yummak istemiyoruz. Birlikte dayanışma içinde olması gereken grupların birbirleri ile didişmeyi bırakıp artık biraraya gelmelerini istiyoruz. Boşvermeyi boşverip, hoşgörünün ötesinde, saygı’yı kabul etmeye geçmek istiyoruz.

Wir wollen nicht ignoriert oder toleriert werden. Wir wollen eindeutig Anerkennung und Respekt!

İnsanlık onurunu rencide edici her tavır ve tutuma seyirci kalınması, bizi insan olmaktan uzaklaştıran ilkel bir davranıştır. Bize bu sözleri söyleten birkaç densizin ekmeğine yağ sürmektense, birlikte bu densizlere hadlerini bildirelim!

Hergün yaşadığımız ayrımcılık – her ne formda olursa olsun – onurumuza dokunuyorsa, başkalarının onuruna saygının değerini çok iyi bilmeliyiz, bilenlerdeniz. Ayrımcılığın her şekline, şiddetin her türüne göz yummak da bu insanlık utancına çanak tutmaktır, seyirci kalmaktan vazgeçip ayrımcılığa karşı taraf olalım!

Ignoranz ist auch ein Teil von Diskriminierung und Gewalt. Sie dienen der Verletzung von Menschenrechten. Schaut hin!

Bizim bu insani isteğimize saygısı olmayanlara söyleyecek fazla sözümüz yok. İster göçmen ister göçmeyen, herkesin olduğu gibi görülüp kabul edilmeye hakkı vardır! Sahip olduğu dini ya da dinsizliğiyle, doğduğu ya da göçtüğü ülkesi her neresiyse, cinsel yöneliminin başkalığıyla, nasılsa öyle, kaç yaşında olursa olsun, insan herzaman, insandır. Hak da hak!

Lafımız, çokkültürlü yaşamı seçenlere; Lafımız, yarınlarda eşitlik isteyenlere; Lafımız, insanların nereden geldikleriyle değil, kim olduklarıyla ilgilenenlere. Lafımız, hoşgörüden fazlasını hakedenlere…

Şiddet barbarlıktır; Lütfen barbarlaşmayalım!

Homofobi ve transfobi bir insanlık suçudur; Bu suça ortak olmayalım!

Diskrimierung, Gewalt, Homophobie und Transphobie sind Menchenrechtsverletzungen, macht nicht mit!

www.gladt.de/
© GLADT e.V. 2008 ∙ Kluckstraße 11 10785 Berlin • Tel/Fax: +49 30 26-55-66-33/34 • info[at]gladt.de

Presseerklärung von GLADT zum TCSD


Redebeitrag von Lambdaistanbul und GLADT

Ich werde heute über die aktuelle Situation der LGBT-Community in der Türkei berichten.

Zuerst zur Situation von Lambdaistanbul, einer der bekanntesten LGBT-Organisationen in der Türkei: Aus politischen Gründen, nämlich um zu zeigen, dass es außer Kaos GL in Ankara kaum homosexuelle Vereine in der gesamten Türkei gab, hat die Gruppe den Vereinsstatus erworben. Kurz darauf hat die Provinzverwaltung ein Gerichtsverfahren eingeleitet, um den Verein zu schließen. Die Begründung lautete: Lambdaistanbul verstoße gegen die allgemeine Moral – eine ähnliche Prozedur wie schon bei Kaos GL und Pembe Hayat in Ankara, die auch beide verboten werden sollten.

Das Vorhaben der Provinzverwaltung hat sich erfüllt, wobei der Richter erst nach sechs Verhandlungen im Mai 2008 sich entschieden hat, diesen Tatbestand anzuerkennen. Daraufhin ist Lambda in Berufung gegangen und hat eine Rechtsprechung im eigenen Sinn erwirkt, womit die Schließung des Vereins verhindert wurde. Diese Entscheidung wurde dann auch von der ersten Instanz akzeptiert.

Dieses Urteil ist von großer Bedeutung, aber leider nicht genug, denn in der Urteilsbegründung heißt es, dass Lambdaistanbul jederzeit eine erneute Schließung droht, wenn die Organisation – Zitat – «weiterhin Gleichgeschlechtlichkeit verbreitet».

Daher ist es wichtig, LGBT-Vereine und -Organisationen zu unterstützen, die versuchen, Einfluss auf die Verfassung der Türkei zu nehmen. Denn nur durch den Schutz des Gesetzes kann solche bürokratische Homophobie wie beim Versuch der Schließung von Lambda verhindert werden.

Glücklicherweise gibt es jetzt die LGBT-Plattform, die von den Menschenrechtsverstößen gegen LGBT berichtet. Jede Organisation in der Türkei hat einen eigenen Ausschuss gegründet, der alle ihnen bekannten Fälle von Menschenrechtsverletzungen festhält und zu einem Jahresbericht zusammenfasst. Dieser Bericht sollte auch ins Deutsche übersetzt werden, um in Deutschland eine Öffentlichkeit zu schaffen für die Anliegen der LBGT in der Türkei. Es gibt eine Kampagne dieser Plattform zur Verfassungsreform, um in den Gleichstellungsartikel auch die sexuelle Orientierung und Geschlechts-Identität aufzunehmen.

Bei den Kommunalwahlen hat eine Mitarbeiterin von Lambdaistanbul kandidiert, eine Trans-Frau, die Bürgermeisterin des Bezirks Beyoğlu werden wollte. Die Unterstützung insbesondere von Feministinnen hat leider nicht ausgereicht, Belgin Çelik wurde nicht gewählt. Toll war diese Kampagne trotzdem!

Eine Initiative von Familien, die LGBT-Kinder haben, wurde letztes Jahr gegründet – was besonders wertvoll ist, da in der Türkei Familie einen sehr hohen Stellenwert hat und somit nun auch diese Bastion durch die Eltern von LGBT erobert wird. In Amed, in Kurdistan, wurde letztes Jahr eine LGBT-Initiative gegründet: PIRAMID LGBTT, die sich an den Feierlichkeiten zum Newroz, dem kurdischen Neujahrsfest, beteiligt hat.

In İzmir, der drittgrößten Stadt in der Türkei, hat sich Kaos GL İZMİR gegründet. Diese Organisation hat unter anderem einen Gedenktag für Baki Koşar durchgesetzt, der als Opfer eines homophoben Mordes bekannt wurde. Pembe Hayat (Rosa Leben) hat eine Kampagne nach dem Mord an der transsexuellen Sexarbeiterin Dilek İnce ins Leben gerufen, um diesen Mord und die weitverbreitete Transphobie publik zu machen. Sie haben auch einen Gedenktag für gewaltsam umgekommene Transsexuelle durchgesetzt, den 20. November.

Das Gerichtsverfahren wegen des Mordes an Ahmet Yıldız hat endlich begonnen. Wir hoffen, dass die Täter so schnell wie möglich gefunden werden…

Und nun noch ein paar Informationen zum İstanbuler CSD: Seit dem Jahr 2003 wird die CSD-Woche, die zum größten Teil von Lambdaistanbul organisiert wird, im öffentlichen Raum gefeiert. Morgen, am 28. Juni 2009, werden unsere Freund_innen in İstanbul nach der erfolgreichen CSD-Woche gegen Patriarchat, Militarismus und Heterosexismus auf der İstiklâl-Straße sein – und dieses Jahr werden vermutlich mehr Leute als jemals zuvor mitlaufen.

Vielen Dank für eure Aufmerksamkeit und viel Spaß noch hier beim transgenialen CSD!
Aykan Safoğlu
Aktivist von Lambdaistanbul und GLADT

www.lambdaistanbul.org


Redebeitrag von TrIQ e. V.

Das Motto des diesjährigen Transgenialen CSDs (Toleranz? Nein Danke! ) mag befremdlich wirken, in einer Welt, in der Menschen fast täglich beleidigt, beschimpft, bedroht und sogar ermordet werden, weil sie nicht den in der jeweiligen Gesellschaft, in der sie leben, herrschenden Normen entsprechen.

Da könnten wir doch eigentlich froh sein, wenn wir wenigstens toleriert würden. Toleriert als Exoten, als ein buntes Grüppchen, das einmal im Jahr auf die Straße geht und feiert. Am Straßenrand die Gaffer, die froh sind, dass sie nicht so sind – wie die da. Die sich ihrer „Normalität“ so sicher sind… Doch was ist hier eigentlich normal?

„Ist es ein Junge oder ein Mädchen?“ Das ist die klassische Frage nach der Geburt. Nicht: „Ist das Kind gesund“…

Jahr für Jahr werden zahlreiche Kinder geboren, die bei der Geburt nicht eindeutig einem Geschlecht zugeordnet werden können. Meist wird dann entschieden, ein Mädchen daraus zu machen, da diese OP einfacher durchzuführen ist. Und um ein „richtiger Mann“ zu sein, braucht Mann einen funktionierenden Penis… Ist dieses Symbol der Männlichkeit nicht vorhanden oder zu klein, wird Mensch zur Frau gemacht.

Für die Betroffenen ist das meist eine traumatische Erfahrung. Bereits im frühesten Kindesalter müssen sie medizinische Eingriffe über sich ergehen lassen, ihre Genitalien werden verstümmelt, sie werden kastriert und unfruchtbar gemacht.

Das Alles dient nur dem einen Ziel: Die Zwei-Geschlechter-Ordnung aufrecht zu halten. Damit nicht sein kann, was nicht sein darf: Es darf nur zwei Geschlechter geben, alles andere wird passend gemacht, koste es, was es wolle. Und wenn es Menschen die Würde kostet. „Die Würde des Menschen ist unantastbar“?

Was wir heute als männlich und weiblich bezeichnen, sind gesellschaftliche Vorstellungen, die sich im Laufe der Zeit auch durchaus ändern können. Die herrschende Norm ist zur Zeit die heterosexuelle Kleinfamilie mit Vater, Mutter und durchschnittlich zwei Kindern.

„Ehe und Familie sind zentrale Fundamente unserer Gesellschaft“, so tönt die CDU. In der Familie werden die Kinder erzogen, zu Mädchen oder Jungen, Arbeiter_innen oder Angestellten, Chefs oder Untergebenen. So reproduziert sich unsere Gesellschaft von Generation zu Generation und die Geschlechterordnung gleich mit – scheinbar ganz natürlich.

Doch was männliche und was weibliche Körper sind, definiert die Medizin. Ein Mensch mit einem als weiblich definierten Körper gilt als Frau, mit einem als männlich definierten Körper als Mann. Und diese haben sich dann wie Männer und Frauen zu verhalten, so wie die Gesellschaft es vorschreibt und es in den Institutionen wie Familie, Schule, Kirche usw. gelehrt und verlangt wird. Abweichungen davon werden bestraft.

Wir werden beschimpft, beleidigt, diskriminiert, angegriffen, weil wir die angeblich „natürliche“ Ordnung in Frage stellen. Wer sich als Trans*mensch nicht gleich wieder in die heteronormative Ordnung einreiht oder versehentlich „auffliegt“ lebt gefährlich:

So wurde vor kurzem Camilla in Wolgograd Opfer eines Hassverbrechens: Die russischen Medien berichten, der Täter habe seine 30-jährige Freundin Camilla mit einem Gewehr getötet, „als er erfuhr, dass seine künftige Braut früher ein Mann war“, wie Spiegel Online schreibt.

Doch wir sind viele. Es gibt mehr als zwei Geschlechter. Die Welt ist nicht nur schwarz-weiß – jenseits von weiblich-männlich gibt es noch sehr viel, eine ganze Vielfalt an Lebensweisen, Geschlechtern, Sexualitäten.

Wir wollen nicht toleriert werden. Wir sind nicht die Exoten, die ihr bestaunen könnt. Wir brauchen kein Mitgefühl. Wir sind genauso normal wie ihr auch. Jeder Mensch ist einzigartig.

Wir treten dafür ein, diese Vielfalt zu leben.

Daher ist dieses Jahr auch das Motto der Trans*tagung:

Trans* Dich Glücklich

Trans* ist ein persönlicher und gesellschaftlicher Gewinn, ein Geschenk. Trans* stellt Grenzen in Frage und provoziert die Auseinandersetzung mit eingefahrenen Denkweisen. Auf der diesjährigen Trans*tagung wollen wir ergründen, warum es toll ist, trans zu sein.

Wir glauben, dass eine TransPride Bewegung längst überfällig ist.

Die Transtagung findet statt vom 2. bis 4. Oktober 2009.

Weitere Infos gibt es unter www.transtagung.tk

Die Würde des Menschen ist unantastbar. Trans*rechte sind Menschenrechte.

TransInterQueer e.V.
Urbanstr. 171b
10961 Berlin
Tel: 030-65 70 77 85
E-Mail: triq [at] transinterqueer.org
www.transinterqueer.org/


Allmende-Vorstellungsrede auf dem Transgenialen CSD

Hallo ihr lieben Menschen, die dem kranken System bunt und trotzig die Stirn zeigen.
Ich begrüße Euch herzlich im Namen von Allmende e.V.

Allmende ist ein Zusammenschluss linker Menschen aus der Türkei. Der Begriff Allmende -ein althochdeutsches Wort- bedeutet kurz Gemeingut. Ja, wir kämpfen für eine Gesellschaft, in der alle Menschen selbtbestimmt und gleichberechtigt, ohne Ausgrenzung und Unterdrückung im Interesse der Gemeinschaft über alle Ressourcen verfügen.

Der Zusatz im Vereinsnamen lautet Haus alternativer Migrationspolitik und Kultur.

Haus deshalb,
weil wir einen Ort für viele verschiedene emanzipatorische Aktivitäten in diversen Feldern bieten.

Alternativ deshalb,
weil dieses System unerträglich ist und durch eine Alternative ersetzt werden muss.

Migrationspolitik deshalb,
weil wir als Menschen mit Migrationshintergrund nur auf uns selbst zählen können, wenn es um unsere unteilbare Würde und Rechte geht.

Kultur deshalb,
weil wir dafür kämpfen, damit jede Lebensform ohne Bevormundung und Ausgrenzung mit Respekt und in Wechselwirkung ihre Auslebungschancen hat.

Wir verstehen uns als ein Teil der linken Oposition und kämpfen für gleiche Rechte, Freiheit, Partizipation und Solidarität. Insbesondere wenden wir unsere Wut gegen jede Form der Ausgrenzung, die auf die Vorgabe der Meinungsmacher zurückgeht, welche Identitäten der Norm entsprechen und welche nicht.

In diesem Sinne versuchen wir durch konkrete Aktivitäten auf Missstände in allen Lebensbereichen hinzuweisen, Betroffene zu sensibilisieren und für ein Leben ohne Diskriminierung einzusetzen.

Dies beinhaltet für uns selbstverständlich die aktive Solidarität mit allen Lesben, Schwule, Bi-, Trans- und Intersexuellen in unserem gemeinsamen Kampf um ein selbstbestimmtes Leben.

Schließe meine Rede mit einem Gedicht von Nazim Hikmet ab:

„Leben
einzeln und frei
wie ein Baum
und geschwisterlich
wie ein Wald
das ist unsere Sehnsucht“

Allmende-Koordination
Garip Bali
27.06.2009

http://allmendeberlin.al.funpic.de/


Internationaler Aufruf zu Solidarität und Hilfe

Das IQSN (International Queer Solidarity Network) und Anarch@Resistance Sofia, rufen für den 27. Juni 2009 alle Anarchist_innen und Antifaschist_innen zur Solidarität mit der queeren Gemeinschaft in Bulgarien auf.

Am 28. Juni 2008, dem 39. Jahrestag des Stonewall-Aufstandes in New York, USA, demonstrierte die queere Gemeinschaft in einem von Faschismus gezeichneten Land, einerseits zum Feiern, andererseits aber auch für ihr Überleben, wobei sie von Neonazis angegriffen wurden, die Molotov-Cocktails und Feuerwerkskörper auf die Parade warfen. Die faschistische Bulgarische Nationale Union rief zu einer „Woche der Intoleranz“ auf – nationalistische Gruppen sollten sich organisieren, um die Parade der queeren Gemeinschaft zu verhindern. Zum Glück gab es keine Verletzten und mehr als 80 Nazi-Skinheads wurden wegen ihrer Angriffe auf Schwule, Lesben und deren Freund_innen verhaftet.

Dieses Jahr, im Angesicht extremer Repression, bereiten wieder bulgarische Queers eine Parade vor, um sich gegen Faschismus und Fanatismus zu verteidigen und ihren Lebensstil zu feiern. Während die Nazis letztes Jahr zersplittert und wenige waren, arbeiten die nationalistischen Parteien diesmal zusammen, um ihren Angriff zu verstärken. Nationalistische Parteien wachsen schnell in Bulgarien. Ein Parlamentsmitglied einer dieser Parteien, ATAKA, hat schon öffentlich dazu aufgerufen, dass „die Männer die Schwulen verprügeln sollen“. Andere nationalistische Parteien nehmen vergleichbare Positionen ein. Mehr als je zuvor ist es jetzt wichtig, dass sich die internationale antifaschistische Bewegung neben die bulgarischen Schwulen und Lesben und alle Bulgar_innen stellt, um ihr Recht auf Sicherheit und Selbstbestimmung zu unterstützen.

Anarch@Resistance, Sofia und das IQSN rufen auf zu einer antifaschistischen Mobilisierung, um queere Menschen in Bulgarien auf ihrer diesjährigen Pride Parade zu unterstützen. Letztes Jahr kamen etwa 150 Faschisten; dieses Jahr rechnen wir mit mehr. Wir wünschen uns unterschiedlichste Strategien unter Berücksichtigung der langfristigen Bedürfnisse der Queers in Bulgarien. Mehr Informationen zur Geschichte und Mobilisierung gibt es auf www.iqsn.org.

IQSN ruft außerdem queere Menschen weltweit auf, lokale Gruppen zu gründen und diesem neuen internationalen Netzwerk beizutreten, um den globalen Kampf für universelle Befreiung zu stärken.

Denn queer kennt keine Grenzen –
International Queer Solidarity Network

www.iqsn.org
iqsn(at)riseup.net
aresistance(at)riseup.net
sofiagaypride2009(at)gmail.com


Redebeitrag zu homophoben Übergriffen in Berlin

– Homophobie und Rassismus –

Immer wieder kommt es in Berlin in unterschiedlichsten Stadtteilen zu Übergriffen auf Menschen auf Grund ihrer Sexualität, sprich auf Lesben, Schwule, trans- oder bisexuelle Menschen, die ihre Sexualität und Geschlechtsidentität nicht verstecken können oder wollen. Nur selten wird dabei von Außenstehenden eingegriffen, egal wo der Übergriff passiert, ob in Kreuzberg, Hellersdorf oder anderswo. Dies zeigt, dass es auch überall Menschen gibt, die solche Übergriffe durch ihr Schweigen mittragen. Wir, als potentielle oder tatsächliche Opfer, versuchen natürlich eine Einschätzung zu bekommen, wer unsere potentiellen Angreifer sind, um uns besser verteidigen oder schützen zu können. Oft neigen wir dazu, uns dann Klischees hinzugeben wie: in Hellersdorf waren’s die Nazis und in Kreuzberg die homophoben Migrant_innen.

Ich denke, es ist wichtig, solcher Mainstream-Politik in Klischeeform nicht zu verfallen, denn leider werden Angriffe auf Menschen, die nicht der heterosexuellen Norm entsprechen, von allen möglichen Menschen unterschiedlichster Bildung, jeglichen Alters, jeglicher Herkunft, Nationalität und Hautfarbe ausgeübt, und hier natürlich statistisch am meisten von weißen Deutschen, da sie die Dominanz-Gesellschaft darstellen.

Das Bild, das von den Medien geschaffen wird, ist jedoch ein anderes. Durch die immer wieder explizite Erwähnung der Herkunft und Hautfarbe bei Übergriffen, die von Menschen mit Migrationshintergrund oder Afrodeutschen ausgeübt werden, entsteht das Bild des besonders homophoben «Nicht-Deutschen». Bei Übergriffen von weißen Deutschen wird zumeist weder Hautfarbe noch Herkunft erwähnt, noch wird auf so breiter medialer Ebene über die weiß-deutsche, christliche Homophobie diskutiert.

Der Unterschied des eigenen Klischeedenkens besteht natürlich auch darin, dass es bei Nazis zur «Philosophie» gehört, sexistisch und homophob zu sein, es aber selbstverständlich keine Philosophie der «Migrant_innen» gibt, die automatisch homophobes Denken oder Verhalten beinhaltet. Das ist aber das, was die Medien versuchen, uns zu verkaufen.

Um eins klarzustellen: Es geht hier nicht darum, irgendjemanden zu verteidigen. Jeder sexistische und homophobe Angriff ist eine Verletzung unseres Lebensrechtes, und Arschlöcher sind einfach Arschlöcher, egal wie sie aussehen, egal woher. Es geht aber darum, nicht selber rassistisch zu werden, indem man auf einmal eine Scheißtat aus kultureller oder nationaler Herkunft ableitet. Also:
Sexismus, Homophobie und Rassismus bekämpfen. Überall. Auf den Straßen, in den Köpfen, in den Herzen.


Redebeitrag vom schwarzen kanal

Guten Abend, hallo

Stonwall was a Riot.

Vor 40 jahren haben sich queers of color und menschen aus der arbeiterklasse aktiv gegen polizeigewalt und staatliche repression gewehrt.

Und heute 2009: es gibt kein ruhiges homoland!

Die meisten von euch kennen den schwarzer kanal, als autonomen, linksradikalen und queer ort, wo kultur umsonst / gegen spende stattfindet, wo politische projekte organisiert werden, wo bullen nicht erwünscht sind und wo wir versuchen entgegen heteronormativen realitäten zu leben.

seit jahren ist der schwarze kanal in räumungsstress und hat bisher eine räumung verhindert. nun wird der besitzer des geländes, hochtief, den mietvertrag zum 31.12.2009 auslaufen lassen, was de facto einen rausschmiss bedeutet. Da sie über jahre keinen investor gefunden haben, baut hochtief für die eigene nutzung ein verwaltungsgebäude, um die alten räume leerstehen zu lassen und den schwarzen kanal zum ort der baulogistik zu machen.

Die politik hat wie immer nichts sinnvolles anzubieten, ausser das sie ja nichts tun können.

Aber wir bleiben. Jetzt seid auch ihr gefragt, wir brauchen eure solidarität.

Kommt vorbei und nutzt den platz und geniesst mit uns den sommer, solange er noch ist.

Es wird viele veranstaltungen geben, ihr seid herzlich willkommen, euch einzubringen. Ab september wirds ein musikfastival und ab oktober eine Queer – Rebel -. Schwarze kanal bleibt woche stattfinden.

Weitere infos findet ihr auf der website.

Wenn es bis ende des jahres kein angemessenes ersatzgelände gibt, sehen wir uns auf den barrikaden.


Redebeitrag von Hydra e. V.

Hallo, wir sind Simone und Theodora von Hydra e.V.

Durch die Einführung des Prostitutionsgesetzes 2002 ist die Situation für Sexworker in Deutschland schon besser geworden: Prostitution ist nicht mehr sittenwidrig und als Beruf anerkannt. Aber diese Entwicklung ist noch lange nicht selbstverständlich und SexarbeiterInnen werden immer noch diskriminiert – zum Beispiel beim Steuerrecht und bei den Sperrgebietsverordnungen. Und vor allem gibt es immer noch die gesellschaftliche Stigmatisierung. Deswegen ist es nach wie vor wichtig, für die Rechte von Sexarbeitern und Sexarbeiterinnen zu kämpfen! Vor allem, da auch in Deutschland wieder über ein Zurückdrehen des Prostitutionsgesetzes in einigen Bereichen geredet wird – gerade auch angestoßen durch Diskussionen auf europäischer Ebene.

Wir tragen Euch jetzt einen kleinen Ausschnitt aus dem Manifest der „Sexworkers in Europe“ vor. Das Sexworkers in Europe-Manifest wurde von 120 Sexarbeiter-Innen aus 26 Ländern auf der Europäischen Konferenz zu Sexarbeit, Menschenrechten, Arbeit und Migration, die vom 15. bis 17. Oktober 2005 in Brüssel, Belgien stattfand, erarbeitet und verabschiedet.

Jenseits von Toleranz und Mitleid – Für die Anerkennung von Rechten!
Wir leben in einer Gesellschaft, in der Dienstleistungen angeboten und nachgefragt werden. Sexarbeit ist eine davon. Es ist nicht akzeptabel, SexarbeiterInnen aufgrund religiöser oder sexualmoralischer Überzeugungen zu verurteilen. Alle Menschen haben das Recht, eine persönliche Auffassung zu Religion und Sexualmoral zu haben. Aber sie sollte keinem anderen Individuum aufgezwungen werden oder irgendeine politische Entscheidung beeinflussen! Wir verurteilen die Scheinheiligkeit unserer Gesellschaften, in denen unsere Dienste in Anspruch genommen werden, aber unser Beruf oder unsere Unternehmen nicht legalisiert sind. Derartige Gesetzgebungen führen zu Missbrauch und zum Verlust unserer Selbstbestimmung bezüglich unserer Arbeit und unseres Lebens.

Wir fordern unser Recht als einfache Menschen ein, unsere Körper für die Dinge zu benutzen, die wir nicht als schädlich empfinden; einschließlich des Rechts, sexuelle Beziehungen im gegenseitigen Einverständnis einzugehen, unabhängig davon, welches Geschlecht unsere PartnerInnen haben oder welcher Herkunft sie sind; egal ob sie dafür bezahlen oder nicht!

Die Gesellschaft zwingt SexarbeiterInnen eine „Identität“, eine „soziale Rolle“ auf, in der die Möglichkeit, dass der eigene Körper eine individuelle wirtschaftliche Ressource sein kann, nicht vorkommt. Die uns auferlegte „Identität“ und „soziale Rolle“ definiert uns als vom Wesen her unwürdig und als Bedrohung für die Moral sowie für die öffentliche und soziale Ordnung. Egal ob man uns als SünderInnen, Kriminelle oder Opfer abstempelt, die Stigmatisierung schließt uns stets aus dem Kreis der „guten“ und „anständigen“ BürgerInnen, ja sogar vom Rest der Gesellschaft aus.

Gesellschaftliche Sichtweisen drängen der Sexindustrie, zusätzlich zur Stigmatisierung und zur Ausgrenzung bestimmter Gruppen von SexarbeiterInnen, eine moralisch motivierte Hierarchie auf, die auf folgenden Kriterien beruht: MigrantInnenstatus, Rassenzugehörigkeit, ethnische Herkunft, Geschlecht, Alter, sexuelle Orientierung, Drogenkonsum, Arbeitsbereich und Art der angebotenen Dienstleistungen. Sogar unter SexarbeiterInnen gibt es Personen, die diesen Sichtweisen zustimmen. Wir wollen durchsetzen, dass alle SexarbeiterInnen und alle Formen von Sexarbeit gleiche Gültigkeit haben und gleichwertig sind. Wir verurteilen derartige moralistische und auf Vorurteilen beruhende Hierarchisierungen.

Wir stellen fest, dass mit diesem Stigma behaftet zu sein, alle SexarbeiterInnen miteinander verbindet, und das macht uns zu einer Interessengemeinschaft – trotz der enormen Vielfalt unserer Lebens- und Arbeitsbedingungen. Wir haben uns zusammengetan, um zu dieser Form von Stigmatisierung und dem daraus resultierenden Unrecht eine Position zu beziehen und sie infrage zu stellen.

Das Recht auf Bewegungsfreiheit, Migration & Asyl
In der Diskussion um das Thema „Menschenhandel“ wird die Frage der Rechte von MigrantInnen nur verschleiert dargestellt. Eine derart vereinfachende Herangehensweise an ein solch komplexes Thema trägt dazu bei, dass Diskriminierung, Gewalt gegen und Ausbeutung von MigrantInnen, SexarbeiterInnen und insbesondere von SexarbeiterInnen mit Migrationshintergrund verstärkt auftreten.

Zwangsarbeit und Sklaverei sind in vielen Geschäftszweigen möglich, aber wenn ein Gewerbe legal ist und die Arbeit der Angestellten Anerkennung findet, ist es eher möglich, die Verletzung ihrer Rechte anzuzeigen und zu beenden und dadurch dem Missbrauch vorzubeugen.

Wir fordern unsere Regierungen dazu auf, die Menschenrechte der Opfer von Arbeitsausbeutung und Sklaverei zu schützen und in den Vordergrund zu stellen.

Wir fordern das Recht auf Asyl für SexarbeiterInnen, die in ihrer Heimat der Gewalt von staatlicher Seite oder von ihren jeweiligen Gemeinschaften ausgesetzt sind, weil sie sexuelle Dienstleistungen anbieten.

Wir fordern das Recht auf Asyl für alle, deren Menschenrechte aufgrund ihrer Tätigkeit in der Sexarbeit, ihres Gesundheitszustands, ihres Geschlechts oder ihrer sexuellen Orientierung verletzt wurden.

Bekämpfung von Gewalt gegen SexarbeiterInnen
SexarbeiterInnen erfahren in ungewöhnlich hohem Maße Gewalt und Verbrechen. Die Stigmatisierung von SexarbeiterInnen hat dazu geführt, dass die Gewalt und die Verbrechen, die an uns verübt werden, von der Gesellschaft und den Behörden nicht beachtet werden, weil sie als charakteristischer Bestandteil unserer Arbeit angesehen werden. Missbrauch kommt im Bereich der Sexarbeit vor, ist aber nicht ihr charakteristisches Merkmal. Jeglicher Diskurs, der Sexarbeit als Gewalt definiert, ist eindimensional, leugnet deren Vielfältigkeit und unsere Erfahrungen und reduziert uns zu hilflosen Opfern. Unsere Eigenständigkeit und unser Recht auf Selbstbestimmung werden dadurch untergraben. Restriktive Gesetzgebungen fördern Diskriminierung, Stigmatisierung und Missbrauch von SexarbeiterInnen. Wir fordern unsere Regierungen dazu auf, Sexarbeit zu entkriminalisieren und die Gesetze abzuschaffen, durch die wir diskriminiert und stigmatisiert werden!

Danke!
Das ganz Manifest könnt ihr nachlesen unter: www.sexworkeurope.org


Für das Leben und die Freiheit von Mumia Abu-Jamal

Lasst uns Mumias drohende Hinrichtung im Vorfeld verhindern!

Seit über 27 Jahren sitzt Mumia Abu-Jamal in den USA in der Todeszelle. Verurteilt für einen Polizistenmord, der ihm unter geschoben wurde, um ihn zum Schweigen zu bringen.

Der afroamerikanische Aktivist kämpft seit seiner frühesten Jugend – damals als Pressesprecher der Black Panther Party – und bis heute als freier Journalist – gegen Rassismus, Polizeigewalt und Krieg. Vor allem die katastrophalen Auswirkungen herrschender Politik auf die Leidtragenden derselben stehen immer in seinem Fokus. Seine sog. „Waffen“ dabei sind die Schreibmaschine und das Mikrofon. In seinen viel beachteten Radio- und Zeitungskolumnen setzt sich Mumia stets für alle die ein, welche selbst kein Gehör in der medialen Öffentlichkeit erhalten. Schon Ende der 70iger Jahre erhielt Mumia neben journalistischen Auszeichnungen den Ehrennamen „The Voice Of The Voiceless“ – die Stimme der Unterdrückten.

Seine Verurteilung 1982 war eine Farce. Der Staatsanwalt siebte systematische schwarze Geschworene heraus, präsentierte manipulierte sowie frei erfundene Beweise und unterdrückte entlastendes Material. Ein offen rassistisch agierender Richter sorgte dafür, dass sämtliche Verstöße gegen die verfassungsmässigen Rechte des Angeklagten durchkamen. Seit diesem Verfahren, dass laut Amnesty International „einen Bruch internationaler Mindeststandards fairer Verfahren“ darstellt, kämpft Mumia um ein neues Verfahren und seine Freiheit.

Im April diesen Jahres verweigerte das Höchste Gericht der USA mit nur zwei Worten das geforderte neue Verfahren: „Antrag abgelehnt“. Es ist eine so offen politische Entscheidung, dass sich das Gericht nicht einmal traut, eine Begründung zu veröffentlichen. Diese würde ihnen auch schwer fallen, da selbst sie in vergleichbaren Anträgen früher auf neue Verfahren entschieden hatten, zuletzt 2008. Das Rassismus in juristischen Verfahren damit erneut zum Verfassungsgut in den USA erhoben wird, kann in Zukunft auch Auswirkungen auf viele andere Gefangene haben. Aber dieses Gericht hat noch weitere Planungen für Mumia Abu-Jamal. Bereits im März 2009 berieten sie über den Antrag der Staatsanwalt, Mumia jetzt ohne weitere Prüfung hinrichten zu lassen. Eine Entscheidung darüber kann jederzeit kommen.

Mumia Abu-Jamals Leben ist 2009 in großer Gefahr. 1995 und 1999 konnten bereits angesetzte Hinrichtungen dank massiver weltweiter Proteste verhindert werden. Dieses Mal werden die Behörden darauf achten, zwischen Todesurteil und Hinrichtungstermin nur wenige Tage Zeit einzuplanen, um so den Protesten zuvorzukommen.

Daher rufen wir euch alle auf, darüber nachzudenken, was ihr tun werdet, falls das Todesurteil gegen Mumia rechtskräftig wird!

Tragt euch in die e-mail Alarmliste des Berliner FREE MUMIA Bündnis ein!

Bereitet Aktionen vor! Schafft Öffentlichkeit!

Für Fragen und Materialien wendet euch ans Berliner FREE MUMIA-Bündnis.

Freiheit für Mumia Abu-Jamal!

Abschaffung der Todesstrafe – weltweit!

Berliner Bündnis Freiheit für Mumia Abu-Jamal!
im HdD
Greifswalderstr.4
10405 Berlin
V.i.S.d.P. Anton Mestin, Selchowerstr., Berlin
E-mail Alarmliste: free.mumia[at]gmx.net


Redebeitrag von Ruth

Wir lassen uns nicht durch Krisenpropaganda schockbetäuben: Kapitalismus demokratisch abschalten! Queer meint Solidarität statt Kapitalismus : weniger als das wollen wir nicht tolerieren!

Nach WW II war deutlich: Die Spekulation im Kapitalismus brachte die Weltfinanzkrise der 20er Jahre und dadurch die totalitären Entwicklungen auch zum NS. „Das wollen wir nie wieder zulassen!“, sagten die Demokratien mit Blick auf Weltkrieg und Holocaust. So wurde die UNO gegründet, um imperialistischen und totalitären Entwicklungen entgegen zu treten. Doch Hoppla ! für die Finanzsphäre wurde keine Demokratie für das Weltfinanzsystem unter UNO Dach auf den Weg gebracht, wie es der Ökonom M.Keynes forderte. Keyenes wird heute wieder von Politikern zitiert, um zu rechtfertigen, dass sie Steuergelder in Milliarden- bis Billionenhöhe ausgeben -als Schutz für Banken ohne aber Keyenes Idee umzusetzen. : Davon schweigen die Politiker heute:

Keyenes wollte – was unsere Politker nie tun -, dass die Menschenrechte Priorität vor Handelsrechten (Investoren) erhielten : dass Entwicklungszielen wie der Beseitigung des Hungers und der Armut für die Bevölkerungen die wirtschaftliche & die finanzielle Globalisierung leiten solle. Eine solche demokratische Erdung der Ziele eines Finanzsystems hätte verhindern sollen, dass sich das Geldwesen so sehr von den konkreten Realitäten weg in Spekulationssphären ausdehnen kann und die Demokratie wieder verspekuliert würde.

Keynes Idee hätte zu einer gerechteren globalen Entwicklung geführt, indem z. B. die Ernährungssicherheit Priorität vor Handel und Spekulationen hätte, dies hieße z. B. die Möglichkeit, Agrarmärkte von Ländern vor Dumpingimporten zu schützen, wenn dies nötig ist. Dass heute Milchbauern bei uns pleite gehen, wenn sie nicht riesig sind und mit EU exportsubventioniertem Milchimperialismus Bauern im Süden in den Hunger zwingen, hat damit zu tun, dass Keyenes Idee des UNO Weltfinanzrates noch nicht umgesetzt ist.

Dies steht in den jetzigen Zeiten der Klimakrise dringend an, wenn wir überleben wollen: Es muss der Kapitalismus sofort demokratisch ersetzt werden. Dies fordern zu Recht viele Staaten in der UNO, die gefärdet sind und wir sollten es lautstark mit ihnen fordern: Demokratie statt Kapitalismus!

Stattdessen wurde aber 1944 ein WeltFinanzSystem mit dem IWF und der Weltbank ausserhalb der UNO installiert. Es sollte den Ostblock im kalten Krieg besiegen. Um Spekulationen auf Währungen einzudämmen, wurden alle Währungen an den Dollar gebunden, der sollte mit Goldreserven hinterlegt sein. Im Vietnamkrieg ließen die USA mehr Dollars drucken als sie Gold hatten, um Napalm und Agent Orange in Vietnam abwerfen zu können. Die Golddeckung wurde verlassen und die Spekulationsphäre wieder geöffnet. IWF und Weltbank als undemokratische kapitalistische Banken haben die strukturelle Ungerechtigkeit zwischen Reich und Arm, Nord & Süd, Ost & West mächtig gefördert. Wir wissen ja, wir haben uns lange gegen die Ungerechtigkeit durch IWF Schulden solidarisiert, angefangen mit Lateinamerika ,wo die marktradikalen Anti-Keyenesianer der Chikagoer Wirtschaftsfakultät mit Hilfe der Diktaturen in den 1979ern begannen, die heute immer noch wirksame Wirtschaftsideologie antidemokratisch umzusetzen.

Nach dem Mauerfall gelang es 1994, mit der Gründung der WTO eine unlegitimierte kapitalistische Weltherrschaft über der UNO zu installieren: diese versuchte mit dem MAI als zunächst „gemheimer Vertrag“ ein Weltgesetzt zur Vorherrschaft von Investorenrechten vor demokratischen Bürger- Menschen- oder Umweltrechten weltweit einzuführen, nichts weniger also als eine Weltdiktatur der Profiteure. Weil Bürger diesen Geheimvertrag offen legten, konnte das verhindert werden, aber seither sind die Demokratien sehr fragwürdig geworden, insbesondere aber die WTO. Seit dem WTO Vertrag zur Privatisierung öffentlicher Versorgung GATTS erleben wir, wie unsere demokratischen Bürgerrechte zunehmend weltweit missachtet werden. Es ist wichtig, dass wir uns gerade jetzt nicht einschüchtern lassen und einen UNO Finanzrat statt WTO fordern. Naomie Klein beschreibt im Buch “ Die Schock Strategie“ , wie Krisen als Schocktherapie der Politik genutzt werden, um immer die selbe Masche umzusetzen: zu behaupten, es gäbe keine Alternative zu Privatisierung und Spekulation. Seit Seattle ist es den sozialen Bewegungen gelungen, IWF/Weltbank G8 und WTO zu ihrem Herrschaftsanspruch zu deligitimieren, da muss gerade jetzt weiter gemacht werden, damit die Krise nicht zur Betäubung des Widerstandes gelingt.

Unsere Politiker propagieren mit WTO, IWF, Weltbank als zentralen Akteuren der Krisenbewältigung sehr undemokratische Instanzen, die schon extrem viel Ungerechtigkeit und Tod in die Welt gesetzt haben. Die selben Instanzen, die unsere öffentlichen Güter, die die meschenrechtliche Basis für unsere demokratischen Gemeinwesen bilden, in geheimen Geschäftsverträgen verkauft haben, deren Geheimhaltung höher gewertet wird als unsere Wählerinteressen, geht’s noch ? Verlangt immer die Offenlegung geheimer Verträge !

Es wird tatsächlich so getan, als wenn es normal wäre, dass weder gewählte Volksvertreter, noch Wähler die komplexen und betrügerischen Geschäftsverträge verstehen, durch welche spekulative Profitversprechen, die durch illegal konstruiierten Finanzprodukte an ferne Investmentbanken verkauft wurden, so wie im Cross border leasing: aber zahlen sollen wir doch, vor allem die Armen! Diese sind aber nicht bezahlbar, da die spekulativ geschaffenen Profitansprüche ein vielfaches der real existierenden Werte auf der Erde sind, Kapitalismus ist tödlich und muss beendet werden.

Der Ungerechtigkeit der Marktherrschaft aber folgt die Entdemokratisierung, die Millitarisierung mit Waffenverkaufsrekorden, die Verrohung im Sozialen und natürlich die Vergiftung und Vernutzung unserer aller besten Mama Erde: dat aber ist wirklich keine Privatsache: Es geht ALLE an

Und :
Bei uns in unseren Kiezen überträgt sich das auch in mehr Gewalt aus homophoben und transphoben, rassistischen und frauenfeindlichen Gründen, weil: Die existenzielle Bedrohung schafft mehr Gewalt gegen uns als: Trans*, Frauen, Migranten, Eisbären, Schwulitäten, Anarchopunks, Lesbomben, Menschartige, Nutztiere, deutsche Wälder, bezahlbare Bahnkarten, Bisexuale, Indianer und indigene…
Laßt euch nicht verarschen, fordert Konsequenzen! : STOPP GATS/WTO

Ruth
the real
Knut