Geschichte

Für viele unbekannt, für andere “schnee von gestern”: die Geschichte des Transgenialen CSDs :

Der CSD ist ein Gedenk-, Fest- und Demonstrationstag von und für lesbische, schwule, bi-, trans-, und intersexuelle Menschen, und alle anderen ausgegrenzten sexuellen Identitäten.Benannt ist der Christopher Street Day anchden ersten bekannt gewordene Gegenwehr in großem Umfang von Homosexuellen und anderen sexuellen Minderheiten in New York City, USA. Gewalttätige Razzien der Polizei in Kneipen der schwulen, lesbischen und trans* Community waren nichts neues. Am 28. Juni 1969 haben diese sich jedoch richtig gewehrt!

Vor der Bar „Stonewall Inn“ kam es zu tagelangen Straßenschlachten zwischen Trans* und Homosexuellen – viele von ihnen african-americans und people of colour – und der Polizei.

Zum Gedenken an diese Ereignisse, aber auch, um für Anerkennung und gegen Diskrimierung zu protestieren, erfolgen seither jährlich weltweit Demonstrationen. In Münster gab es 1972 die erste größere Demo für die Rechte und Anerkennung von Schwulen und Lesben. 1979 fanden in Bremen und Berlin die ersten Christopher Street Days statt.

In Berlin gibt es seit 1997 auch den „Transgenialen CSD“, in politischer Abgrenzung zum „großen“ Berliner CSD. Wie kam es dazu?

Als einer der Auslöser für diese Spaltung gilt ein Zitat Anfang 1997 vom damaligen CDU-Fraktionsvorsitzenden Landowsky: „Es ist nun einmal so, dass dort wo Müll ist Ratten sind, und dass dort, wo Verwahrlosung herrscht, Gesindel ist. Das muss in dieser Stadt beseitigt werden.“

Aus Protest gegen diese Aussage wurde der „Rattenwagen“ ins Leben gerufen und nahm am CSD teil: die Insass_innen wühlten symbolisch im Dreck und bewarfen andere Paradeteilnehmer_innen damit. Dieser Wagen wurde besonders von der Polizei beobachtet. Nachdem auch parkende Autos Dreckspritzer abbekommen hatten, wurden der Rattenwagen und der Demoteil, der sich drumherum bewegte, von der Polizei vom Rest des Zuges abgespalten, mit dem Versuch den Rattenwagen zu beschlagnahmen.

Die offizielle CSD-Demoleitung meldete diesen Teil der Demonstration daraufhin ab, ohne die Teilnehmer_innen davon zu informieren, und ohne mit der Polizei den Tatbestand eines Dreckspritzers als Anlass für eine Wagenbeschlagnahmung als unangemessen zu verhandeln. Dem Rattenwagen wurde das zu ungemütlich, und aus Protest, sowohl gegen das Verhalten der Polizei, als auch das der Demoleitung, gingen sie mit sich solidarisierenden Menschen als Spontandemo nach Kreuzberg.

Seitdem fi ndet jedes Jahr ein alternativer CSD statt, der durch verschiedene Stadtteile geht, aber traditionell immer mit einem Straßenfest und Redebeiträgen am Heinrichplatz endet. Inhaltlich ging es seit der Entstehung des Transgenialen CSDs um mehr als die gesellschaftliche und staatliche Ausgrenzung verschiedenster sexueller Identitäten.

Die Themen in den letzten Jahren waren dementsprechend vielfältig: von Armut und Stadtumstrukturierung über Rassismus, Gentrifi zierung, Kriege, aber auch Themen wie Genitalverstümmelung, Kürzungen kultureller Projekte und Arbeitsbedingungen bei Lidl hatten schon Platz beim TCSD.

Traditionell wird der transgeniale CSD von einer offenen Organisationsgruppe organisiert. Parteien und kommerzielle Unternehmen sind nicht willkommen.

Beitrag zum Motto des Transgenialen CSD 2011 lesen

5 Antworten zu Geschichte

  1. Pingback: Beitrag zum Motto des Transgenialen CSD 2011 « transgenialer CSD

  2. Pingback: Beitrag zum Motto des Transgenialen CSD 2011 « transgenialer CSD

  3. Hurkunde schreibt:

    Cool, weiss jetz bescheid, wo ich nächstes Jahr ma vorbeischauen kann… ^^ Hatte schon immer was gegen, dass die CSD Parade mega kommerziell ist…Parteien und große Sponsoren sind mir grad zu wider.

  4. Pingback: identities on unstable grounds _ an essay about lesbian and queer identities II « anothervisualdiary

  5. Pingback: Pride week | ...

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